Kultur : Hammerhart

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf besucht das

Grabmal des verlorenen Klangs

Die morbide Stimmung im Berliner Musikinstrumentenmuseum ist gewiss gewöhnungsbedürftig: Während in einer Gemäldegalerie die Bilder auch nach aberhundert Jahren noch lebendig zum Betrachter sprechen, sind die ausgestellten Instrumente wenig mehr als prunkvolle Grabmäler verlorener Klänge, sterbliche Überreste, deren Seele, der Klang, längst entwichen ist. Doch zum Glück ist auch den Verantwortlichen klar, dass ein Musikinstrumentenmuseum ohne Musik eine ziemlich traurige Angelegenheit ist: Neben Matineen und „Jour fixe“-Konzerten, bei denen sich schwerpunktmäßig junge Interpreten vorstellen, gibt es hier immer wieder auch Veranstaltungen, die den Bezug zwischen Musikwissenschaft und historischer Spielpraxis in den Mittelpunkt stellen.

An diesem Wochenende steht nun der frühe Hammerflügel im Mittelpunkt, der sich zwischen 1700 und 1750 entwickelte, und insbesondere dessen Erfinder, der Florentiner Bartolomeo Cristofori (von dem das Museum bis zum zweiten Weltkrieg das einzig erhaltene Porträt besaß). Außerdem die Nachbauten durch Gottfried Silbermann, der auch die Bach-Familie mit seinen Instrumenten versorgte. Den Anfang macht am Samstag die russische Pianistin Ella Sevskaya. Sie spielt auf dem Nachbau eines Cristofori-Flügels Werke von Scarlatti und anderen. Berlins Lokalmatadorin Christine Schornsheim, die gerade das Mammutprojekt einer Gesamteinspielung der Haydn-Sonaten abgeschlossen hat, stellt am Sonntagmorgen die Instrumente Cristoforis und Silbermanns einander gegenüber, letzteres natürlich mit Werken der Bach-Familie, zum Abschluss (ab 15 Uhr) kann man das Gehörte dann in einem Colloquium mit einer Reihe kurzer Vorträge über die Geschichte des Instruments aufpolstern lassen.

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