Kultur : Hamsterrad

Satellit 3: Der Kunstsalon geht nach Wedding

Jens Hinrichsen

Es geht sprichwörtlich rund auf der vierten Ausgabe des Berliner Kunstsalons. Emanuel Fanslau hat ein Riesen-Hamsterrad gebaut, das im Eingangsbereich von Berlins großer Off-Messe installiert ist. Schnurstracks lässt sich ein per Frottage abgebildeter Raum umrunden, quasi schwerelos schreitet der Kunstbenutzer die Wände hoch und wieder herunter.

Große Sprünge hat der Kunstsalon seit 2004 gemacht. Diesmal überflügelt er das Art Forum, zumindest an Ausstellungsfläche: 12 000 Quadratmeter bietet ein 1926 erbauter Backsteinkomplex, der zurzeit von der BVG abgewickelt wird: mehr Platz als in der Arena am Flutgraben. Der künstlerische Leiter Edmund Piper setzt auf Wechselwirkungen der Industriearchitektur mit der Kunst. Die wirkt unterm Strich kommerzieller, ernsthafter, weniger trashig als zuvor. Auffallend viel figürliche Malerei ist zu sehen. So zeigt die Galerie Poll gediegen Großformatiges aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, von Malern wie Karl Horst Hödicke oder Harald Duwe.

Insgesamt tummeln sich 60 Aussteller, vorwiegend Berliner Galerien oder Kollektive, in den Hallen, Werkstätten und einer sogenannten Spritzkabine. Wo einst Busse umlackiert wurden, kauert nun Christoph Kopacs stille „Quellnymphe“ und betrachtet das Wasser, das durch ihre zarten Epoxidharzhände rinnt. Johanna Smiatek lässt eine Miniatur-Skyline aus Lippenstiften und einen großen Schwenkspiegel vibrieren, sobald sich ein Betrachter nähert. Freudige Spannung liegt in der Luft. Weil das immer so ist, nimmt Smiateks Galerist, Heinz-Günter Herpel von Kunstpunkt, zum vierten Mal teil. „Die Stimmung im Kunstsalon ist immer noch einmalig“, behauptet er. Jens Hinrichsen

Badstr. 41a, Berlin-Wedding, bis 2. Okt., 14-22 Uhr.

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