Kultur : Handke: "Schlächter" - Hobsbawm: "Europa versagt"

Mit den Worten "Der Mars greift an" hat am Freitag der Schriftsteller Peter Handke die NATO-Luftangriffe auf Serbien kritisiert und in einem leidenschaftlichen Appell die "Schlächter" attackiert."Seit dem 24.März sind Serbien, Montenegro, die (bosnische) Republika Srpska und Jugoslawien das Vaterland für alle, die keine Marsianer und grüne Schlächter geworden sind", meinte er in einem Brief an die Weltöffentlichkeit, der von der Belgrader Zeitung "Politika" (Freitagausgabe) veröffentlicht wurde.Der Schriftsteller mit biographischen Wurzeln in Slowenien hatte sich schon während des Krieges in Bosnien-Herzegowina für die serbische Seite eingesetzt.Jetzt hatte er für den Fall von NATO-Luftangriffen angekündigt, sein Platz sei in Serbien.Außerdem drohte er mit einem Verbot der für den 9.Juni geplanten Uraufführung seines jüngsten Theaterstückes "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" am Wiener Burgtheater.

Nach Ansicht des englischen Historikers Eric J.Hobsbawm, der am Freitag auf der Leipziger Buchmesse den Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhielt, haben die Europäer auf dem Balkan versagt."Vor zehn Jahren hätte sich mehr vermeiden lassen", sagte er.Jetzt kämen über die NATO wieder die Amerikaner zum Zug.Während Hobsbawm den mit 20 000 Mark dotierten Hauptpreis erhielt, ging der mit 10 000 Mark dotierte Anerkennungspreis an den kroatischen Verleger Nenad Popovic.

Hobsbawm nannte es eine tragische Entscheidung, daß nach dem Zerfall Jugoslawiens auf deutsche Initiative hin Slowenien, Kroatien und Bosnien sofort staatlich anerkannt worden seien."Es ist ironisch, einen Preis zur Europäischen Verständigung zu bekommen, wenn zum ersten Mal in Europa wieder ein Krieg ausgebrochen ist", meinte der Historiker.

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