Kultur : Handschmeichler

Nicola Kuhn

Die Begegnung mit Werken von Hans Arp vermittelt immer ein wenig den Eindruck eines Wiedersehens mit einem guten alten Bekannten. Das Gefühl trügt nicht; schließlich gehört der Straßburger Künstler zu den Klassikern der Moderne und ist mit Beispielen in jeder guten Museumssammlung vertreten. Und trotzdem hat es für Berlin seine ganz besondere Richtigkeit: Hier konnte man ihn schon vor 90 Jahren sehen, 1913 im „Herbstsalon“ von Herwarth Walden in der Potsdamer Straße, wo er mit einer kleinen, eher gegenständlichen Zeichnung vertreten war, die den späteren Avantgardisten noch kaum erahnen ließ.

Wenige Meter Luftlinie entfernt ist er nun wieder ausgestellt, diesmal mit der ganzen Bandbreite seines Lebenswerks und gemeinsam mit seiner Frau Sophie Taeuber-Arp, der er wesentliche Anstöße verdankte. Die Landesvertretung Rheinland-Pfalz (In den Ministergärten 6, bis 19. Oktober) zeigt in ihrem Foyer die schönsten Stücke der landeseigenen Sammlung; sie dienen gleichsam als Appetithappen für die künftige Präsentation im Künstler-Bahnhof Rolandseck in Remagen. Dort wird der amerikanische Architekt Richard Meier ein eigenes Arp-Museum errichten, dessen Pläne er anlässlich der Berliner Eröffnung vor Ort präsentierte.

Die vorübergehend entliehenen Zeichnungen und Farblithografien, Reliefs und Bronzen sind zugleich als Dankeschön an die Hauptstadt zu verstehen, denn die Gelder für den Museumsausbau in Remagen fließen vom Bund im Rahmen der Ausgleichszahlungen für Bonn. Und so drehen und wenden sich die eleganten Skulpturen des Künstlerpaars Arp im luftigen Foyer der Landesvertretung. Und Collagen und Gouachen grüßen den vorbeieilenden Besucher flüchtig. Sollte er bei einer der Arbeiten doch einmal länger stehen bleiben, so dürfte er sich wundern über ihre Rätselhaftigkeit. Denn diese Werke halten „Antworten bereit auf Fragen, die es noch zu stellen gilt“, so der Direktor des Arp-Museums, Raimund Stecker. Von wegen gute alte Bekannte: Rätsel geben Arps Skulpturen dem Betrachter bis heute auf (Foto: Kassnerfoto.de).

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