Handschriften-Verkauf : Oettinger konkretisiert Alternative

Nach dem Kurswechsel der baden-württembergischen Landesregierung im Handschriften-Streit will Ministerpräsident Günther Oettinger den Verkauf von Kulturgütern zum großen Teil vermeiden.

Stuttgart - Oettinger (CDU) schloss in Stuttgart zwar nicht aus, dass einzelne Objekte zur Finanzierung des Vergleichs mit dem Markgrafenhaus Baden veräußert werden müssten. Dies sei aber "nachrangig". National bedeutsames Kulturgut solle keinesfalls verkauft werden. Oettinger konkretisierte sein "Drei-Säulen-Modell", das er in der vergangenen Woche nach nationalen und internationalen Protesten als Alternative zum geplanten Verkauf von Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Aussicht gestellt hatte. Demnach soll die Landesstiftung Baden-Württemberg aus ihrem Haushalt 2006 bis 2008 insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen. Bei Unternehmen oder Privatpersonen will sich Oettinger dafür einsetzen, dass sie weitere zehn Millionen Euro als Spenden leisten.

Dritte Säule soll ein Beitrag der Kultureinrichtungen des Landes sein. Als Möglichkeit nannte Oettinger, einzelne Sammlungsstücke zu verkaufen, aber als Dauerleihgabe der neuen Besitzer in den Museen zu belassen. Auch könne er sich vorstellen, die für Neuerwerbungen vorgesehenen Mittel der Museen und der beiden Landesbibliotheken teilweise "umzuwidmen", um den Vergleich damit mitzufinanzieren.

Bis März 2007 sollen so insgesamt 30 Millionen Euro zusammenkommen, um bereits erbrachte Aufwendungen des Hauses Baden für die Sanierung von Schloss Salem auszugleichen. Weitere 30 Millionen Euro, die in eine Stiftung für den langfristigen Erhalt des Schlosses fließen sollen, müssen laut Oettinger erst später aufgebracht werden. Hierfür nannte er ebenfalls die Landesstiftung als möglichen Geldgeber.

Mit dem Vergleich im Gesamtvolumen von 70 Millionen Euro will die Landesregierung einen Rechtsstreit über ungeklärte Eigentumsverhältnisse mit dem Adelshaus verhindern. Zur Finanzierung war zunächst geplant, Handschriften zu veräußern. In der Fachwelt hatte dies international einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. (tso/ddp)

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