Kultur : Hannah-Ahrendt-Institut: Historiker kritisieren Dresdner Forschungseinrichtung

Durch die Kontroverse um die inhaltliche Ausrichtung des Hannah-Ahrendt-Instituts und ihre personalpolitischen Konsequenzen gerät die Dresdner Forschungseinrichtung erneut in die Kritik. Diesmal ist es der deutsche Historikerverband, der den Alleingang des Kuratoriums gegen den Instituts-Chef Klaus-Dietmar Henke anprangert - am Rande des diesjährigen Historikertags in Aachen, der morgen zu Ende geht. Die dortige Mitgliederversammlung nimmt "mit Befremden zur Kenntnis", dass sich das Kuratorium des Instituts gegen eine Vertragsverlängerung des Instituts-Chefs Henke ausgesprochen habe. Henkes Vertrag läuft Ende 2002 aus. Die heimliche Abstimmung unter dem Vorsitz des sächsischen Kulturministers Matthias Rößler verstoße gegen das international übliche Verfahren: Die in der Satzung des Hannah-Ahrendt-Instituts festgeschriebene wissenschaftliche Unabhängigkeit sei nicht mehr gewährleistet. Der Historikerverband appelliert an den Landtag und die Landesregierung Sachsens, sich für die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Instituts für Totalitarismusforschung einzusetzen. Auch innerhalb des Beirats war die Entscheidung, die Rößler im Nachhinein als demokratisch bezeichnete, auf Kritik gestoßen. Nachdem nun mehrere Beiratsmitglieder ihren Rücktritt in Erwägung ziehen, bleibt die Zukunft des Hannah-Ahrendt-Instituts weiterhin ungewiss. Die Personaldebatte war mit der Veröffentlichung eines Textes entbrannt, der die moralische Legitimität des Hitler-Attentäters Georg Elser bestreitet, was zu einem heftigen internen Streit im Institut geführt hatte.

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