Hannah-Arendt-Preis : Philosophin Julia Kristeva geehrt

Die französische Psychoanalytikerin, Philosophin und Schriftstellerin Julia Kristeva ist im Bremer Rathaus mit dem Hannah-Arendt-Preis 2006 ausgezeichnet worden.

Bremen/Berlin - Nach Auffassung der Jury hat sie die Fähigkeit, über die Grenzen der akademischen Disziplinen hinaus öffentlich zu denken. Kristeva habe die Grenzen zwischen Psychoanalyse und politischem Denken durchlässig gemacht. Ihr Denken greife den Ansatz Hannah Arendts auf, im Angesicht des Traditionsbruchs der Moderne eine Erneuerung des öffentlichen Denkens zu wagen.

Kristeva wurde 1941 in Bulgarien geboren, studierte Romanistik und kam 1965 im Rahmen eines französisch-bulgarischen Austauschprogramms nach Paris. Sie blieb dort und beendete ihre akademische Ausbildung mit einer Habilitation mit dem Titel "Die Revolution der poetischen Sprache". 1978 schloss sie ihre psychoanalytische Ausbildung ab und praktiziert seitdem als Therapeutin. Ihr Werk umfasst Arbeiten zur heutigen Psychoanalyse, zur Kultur- und Religionsphilosophie und zum Zeitgeschehen. Seit Anfang der 90er Jahre steht Arendt im Mittelpunkt ihres politischen Denkens.

Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert. Er erinnert an die deutsch-jüdische Denkerin Hannah Arendt (1906-1975), die 1933 aus Deutschland fliehen musste und zu den prägenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählt. (tso/dpa)

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