• Hans-Eckardt Wenzel und Steffen Mensching führten als selbstironische Politclowns durch das Programm

Kultur : Hans-Eckardt Wenzel und Steffen Mensching führten als selbstironische Politclowns durch das Programm

Volker Straebel

"Ja, das war eine schöne Zeit, als man noch irgendwo hin fliehen konnte." Heute kann der ehemalige DDR-Bürger nur noch reisen, nicht mehr fliehen. Ein Hauch von Melancholie lag über dem Konzert mit "50 Jahren DDR-Musik" im kleinen Saal des Konzerthauses, das nicht mehr Schauspielhaus heißt, zu dem man nicht mehr zu acht im Trabbi fährt und sich nicht mehr ohne Skins und Asylanten - und ohne Gummibärchen - der Kunst hingibt. Hans-Eckardt Wenzel und Steffen Mensching führten als selbstironische Politclowns durch das der "Da Da eR" gewidmete Programm und zelebrierten Sätze "so voll geladen von Anspielungen, dass sie niemand mehr versteht". Lacht da jemand? Ja, das "sozialistisch verengte Lachen" vielleicht, aber darüber, dass in der DDR alle im Widerstand waren und immer Kopf und Kragen riskierten, darüber lacht niemand mehr. Oder war das gar keine Pointe? Hat der Wessi wieder was nicht kapiert? Die Musik reichte von Hanns Eislers "Neuen Deutschen Volksliedern" und den akademischen "Zwei Präludien für Geige solo" seines Schülers Ernst Hermann Meyer zu Kammerwerken der freien Komponistenszene der achtziger Jahre. Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters nahmen sich der "preiswerten", auch außerhalb des staatlichen Konzertbetriebs zu spielenden Solos und Duos an. Leider verzichteten die Veranstalter auf erläuternde Kommentare und ließen so die ästhetische Sprengkraft manchen Werkes im Verborgenen. Die theatralische Inszenierung von gegenseitiger Abhängigkeit in Lutz Glandiens "Tuba intim" (Michael Vogt und Georg Schwark) und die Gegenüberstellung von starrem System und individuellen Ausbrüchen in Helmuth Oehrings "Losheit" für Violine und Cello (herausragend: Steffen Tast und Ringela Riemke) bedürfen jedoch keiner Erklärung. Dies ist politische Musik im besten Sinne.

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