Kultur : Hans-Georg Gadamer: Ein Weiser: Politiker und Kollegen über den Philosophen

Bundespräsident Johannes Rau hat Hans-Georg Gadamer als einen der großen Philosophen des 20. Jahrhunderts gewürdigt: "Die Suche nach dem wahren Verstehen, das Lebenswerk Hans-Georg Gadamers, bleibt uns Verpflichtung." Gadamers Lehre vom Verstehen sei weltweit aufgenommen worden. "Durch ihn haben viele gelernt, wie lebensnah und wie lebenswichtig philosophisches Denken sein kann", heißt es in der Erklärung des Bundespräsidenten.

Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin sagte zum Tod Gadamers, der Philosoph habe wie kaum ein anderer die deutsche Philosophie und das europäische Geistesleben in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts geprägt. "Wer seine geistige Konzentration, die Klarheit der Formulierungen und die Abgewogenheit des Urteils persönlich erlebt hat, konnte sich einer besonderen Faszination nicht entziehen", so Nida-Rümelin. Der Autor Rüdiger Safranski ("Nietzsche") nannte Gadamer einen "Philosophen für die Welt". Seine weltweite Wirkung habe ihn zum "Außenminister der deutschen Philosophie" verwandelt. Gadamer habe alles verkörpert, was sich Denker stets wünschten. "Er wurde nicht nur alt, er wurde auch weise"., sagte Safranski. Seine "Philosophie des Verstehens" sei von der Liebe zum Leben geprägt gewesen. Nach Ansicht des Politologen Iring Fetscher geht Gadamers Bedeutung weit über die Philosophie hinaus. Gadamer sei auch und gerade für Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker "der wegweisende Denker" gewesen: "Gadamers Denken zielte auf das Verstehen der schönen und wahren Aspekte der Wirklichkeit". Gadamers Philosophie sei geprägt von Martin Heidegger, aber sie sei bescheidener, "ohne dessen Überspanntheit".

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