• Hans Ostarek greift im carrousel-Theater das Zwiespältige zwischen den beiden Dichtern auf

Kultur : Hans Ostarek greift im carrousel-Theater das Zwiespältige zwischen den beiden Dichtern auf

Christoph Funke

Als gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer hat sich Schiller im Juni 1794 dem Geheimen Rat Goethe in einem unterwürfigen Brief genähert, und noch in seiner letzten Mitteilung an den zum Freund gewordenen Älteren (25. April 1805) ist von "einiger Kontrovers" zwischen den beiden die Rede. Hans Ostarek greift im carrousel-Theater an der Parkaue das Zwiespältige, Gefährdete der konfliktreichen Beziehung zwischen den beiden Dichtern auf, schildert ihren "Kampfbund" als ein Gemenge von Liebe und Hass, einen Wettstreit im Poetischen wie im Menschlichen. Und das mit einer wohlgemessenen Portion Ironie - aufrichtige Verehrung löst sich in Spott wieder auf. Ostarek macht aus den Klassikern Menschen, die sich wohl hartnäckig umeinander bemühen, dabei aber ihre ganz eigene Eitelkeit und Streitlust bewahren. Die Text-Collage baut nicht nur auf den Briefwechsel Goethe-Schiller, sie zitiert Gedichte, Zeitschriftenbeiträge, Streitschriften, Zeugnisse der Zeitgenossen und erklärt das eigentümliche Wesen des Dichterbundes mit Szenen aus Stücken, von den "Räubern" bis zum "Faust". Ostarek schuf dazu ein musikalisches Gerüst, durch die Vertonung von Liedern und das "Innehalten" an Umschlagpunkten der Freundschaftsbeziehung.

Vor allem aber: der zweieinhalbstündige Abend gehört den beiden Darstellern Chiaretta Schörnig und Arnim Beutel. In blitzschnellen Wechseln von Bericht und Spiel, von würdevoll gestalteter Form, pathetischem Höhenflug und deftig-roher Alltäglichkeit, in lustvollem Dialekt und gefeilter Hochsprache entfachen sie ein Feuerwerk der Verwandlungskunst. Arnim Beutel gibt die studierte Würde Goethes, ein selbstgefälliges Posieren mit der Bronze-Büste; Chiaretta Schörnig zeigt die schweißtreibende Mühe Schillers, an diesen Unnahbaren heranzukommen, und gibt dann Frauengestalten aus den Dramen Gestalt, von inniger Zartheit bis zum großen, leidenschaftlichen Ausbruch (Bühne und Kostüm: AlwinEckert). Die Schauspieler setzen Goethe und Schiller buchstäblich in Szene, zwischen, neben den Musikern paradierend und stampfend, in der Fülle feierlicher und lächerlicher Begegnungen, und auch im Rausch des sinnlich nachvollzogenen Punschliedes. Sie zeigen eine hinreißende Virtuosität, die Wärme hat und, bei allem nie verborgenen heiter-kritischem Abstand, aus der Verbundenheit zu ihren Helden kommt. Gerade im nebelhaften Ungefähr der allein von verheißenen, nicht von erlebbaren Anfängen bestimmten Berliner Theaterlandschaft ist diese Premiere ein Ereignis.Wieder am 7., 28., 29. Oktober, 18.30 Uhr

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