Kultur : Hanseat aus Überzeugung Zum 70. des Architekten

Peter Schweger

Falk Jaeger

Er gehört eher zu den Stillen im Lande. Peter P. Schweger lässt sich nicht auf Symposien vorführen und jettet nicht mit dem Diakasten zu Vortragsreisen in alle Welt. Er scheut die Publizität und das Risiko. Neue Städte bauen in China? Das undankbare Geschäft überlässt er anderen. Und doch ist er einer der erfolgreichsten deutschen Architekten mit Büros in Hamburg, Hannover und Berlin.

Geboren wurde er im rumänischen Mediasch, Architektur studiert hat er in Budapest und Zürich. Später arbeitete er in Wien und schließlich in Hamburg, wo er sich 1968 mit Heinz Graaf zusammentat und das Büro Graaf/Schweger/Partner gründete. Vier Jahre später erhielt er einen Ruf als Professor für Gebäudekunde und Entwerfen an der Universität Hannover, wo er 25 Jahre lang lehrte.

Hamburg ist sicherlich der Ort, den er mit seinen Bauten am meisten geprägt hat. Geschäftshäuser am Fleet sind dort entstanden, Bürozentren wie jenes für die Techniker Krankenkasse, kleine Fingerübungen wie der Pavillon am Gerhart-Hauptmann-Platz oder viel beachtete Denkmalpflegeprojekte wie der Umbau des Kaufmannshauses. Marktschreierische Entwürfe sind nicht darunter, eher zurückhaltende, den Ort respektierende, meist einer modernen Grundhaltung zuzurechnende, dienende Häuser von hohem Gebrauchswert.

Vielen Trends ist er nicht gefolgt, doch in jüngerer Zeit sind seine Häuser leichter geworden, transparenter. Das Kunstmuseum in Wolfsburg ist beredtes Beispiel dafür. Nicht wenige Gebäude hat auch Berlin dem Wahlhamburger zu verdanken, 1985 das Geschäftshaus Kudamm 235, dann die Sanierung der Narva-Fabrikanlage beim Ostkreuz mit dem weithin leuchtenden gläsernen Turmaufsatz, das Haus der Deutschen Wirtschaft an der Breite Straße, den Rundbau der Park-Kolonnaden am Potsdamer Platz, einen Teil des Jakob-Kaiser-Hauses und vor allem den Bundesrat, also die Sanierung, Neu- und Umgestaltung des ehemaligen Preußischen Herrenhauses in der Leipziger Straße. Dort hat er einen wunderbaren luziden Saal eingebaut hat, der die Düsternis des wilhelminischen Prunkbaus vergessen macht.

Der Bundesrat mit seiner prominenten Kunstausstattung durch Rebecca Horn und Per Kirkeby zeigt noch eine andere Facette in Schwegers Arbeit: Immer versucht er, seine Bauherren zur Beauftragung erstrangiger Künstler zu bewegen, um, meist in kleinen Wettbewerben, ebenso erstklassige und individuell entwickelte Kunstwerke zu gewinnen, die mit dem Bauwerk eine Symbiose eingehen. Heute feiert Peter Schweger in Hamburg seinen 70. Geburtstag.

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