Kultur : Happy Bartók!

Daniel Barenboim feiert mit Pierre Boulez in Berlin

Ulrich Pollmann

Es gehört zu den Großtaten von Daniel Barenboim, Pierre Boulez zu dessen 80. Geburtstag nach Berlin gelockt zu haben. Ein reines Bartók-Programm dirigiert der beneidenswert vital wirkende Franzose am Vorabend seines Geburtstags im Rahmen der Staatsopern-Festtage in der Philharmonie, und wie immer scheint seine sehr eigene Dirigiersprache kryptisch und wenig elegant. Dennoch führt er die Musiker des Chicago Symphony Orchestras traumwandlerisch wie Marionetten an unsichtbaren Fäden, Bartóks verschachtelte Klänge treten bei ihm wie blank poliert hervor. Ganz entspannt erzeugt Boulez gleich in den vier Orchesterstücken von 1912 eine Präzision, die schon fast schamlos ist: Bei den staunenswert exakten Blechbläsereinsätzen beschleicht einen zuweilen der Eindruck, die Musiker säßen nackt auf der Bühne. Daniel Barenboim tritt an diesem Abend als Pianist auf – und für diesen festlichen Anlass natürlich fleißig geübt. Und so gelingt den beiden alten Freunden Bartóks 1.Klavierkonzert in seltener Eintracht. Boulez führt das Orchester als souveräner Grandseigneur durch die vertrackte Partitur, Barenboim lässt sich dazu die scharfkantigen Rhythmen des Klavierparts wie Elektroschocks durch die Finger fahren. Selten hat man ihn so voller Energie und Tatendrang gesehen. In den stürmischen Applaus hinein lässt er die Chicagoer „Happy Birthday“ in bartókscher Manier spielen. Zu Boulez’ Neunzigstem möchten wir das dann gerne zwölftönig hören!

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