Kultur : Happy Hiob

Zum 80. Geburtstag der Schauspielerin und Brechttochter

P.v.B

Sie ist eine Besondere. Der Vater hieß Bertolt Brecht, die Mutter war die Opernsängerin Marianne Zoff, von der sich der junge B.B. wegen der Schauspielerin Helene Weigel bald trennte und von München ganz in die große wilde Stadt Berlin verzog. Die zweijährige Hanne blieb 1924 bei Mutter Marianne, die Ende der zwanziger Jahre den Schauspieler Theo Lingen heiratete; worauf das Hannerl in Wien aufwuchs, noch im Krieg Ballettelevin der Wiener Staatsoper wurde, später dann Schauspielerin, im Film und auf der Bühne. Talent zum Spielen habe sie zwar keines, meinte Brecht, der die Karriere der Tochter, zu der er selbst in der Emigration den Kontakt nie verloren hatte, allerdings nicht aufhielt. Und mochte er schon nicht an sie glauben, so glaubte sie doch, für immer, an ihn.

Hanne Hiob, die keinen Künstlernamen trägt, weil ihr kurzzeitiger Mann, ein Berliner Arzt, wirklich Dr. Hiob war, sie hat nicht nur viel vom Witz des Vaters, sie gleicht auch den Brecht-Frauen im Leben und auf der Bühne – also dem Typus der zarten Zähen, der unbeirrbar Lebenspraktischen und Überlebensschlauen. Und bei Hanne Hiob ist da noch ein Schuss Spiritualität, der sie zur Gläubigen prädestiniert. Hanne war so auch die Heilige Johanna: als Gründgens, der ehemalige NS-Staatstheaterintendant (und Nichtnazi) als Brechts (taktischer) Wunschregisseur noch nach dessen Tod in Düsseldorf die Uraufführung der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ inszenierte. Die kleine zarte, zähe Hiob spielte zwar ganz unbrechtisch elegisch, aber war zugleich die Missionarin einer unkapitalistischeren, friedlicheren Welt. Im Westen witterte sie allezeit neuen Faschismus, mit der DDR tat sie sich arrangieren, schwebte zwischen den Systemen, wurde Therese Giehses Freundin und Erbin in München und lebt doch eigentlich in Berlin–Halensee, in einem verwunschenen Knusperhaus mit Picasso an der Wand. Heute wird sie 80, wir gratulieren.

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