Kultur : Harald Tribune

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Martenstein liest Zeitung zwischen zwei Filmen

Das Letzte, was ich von der Außenwelt mitgekriegt hatte, war die Nachricht, dass Hugh Grant in einem Film den Kannibalen spielen will. In der „Titanic“ haben sie als Titel vorgeschlagen: „Vier Mahlzeiten und ein Todesfall.“

In der Mitte einer Berlinale passieren immer zwei Sachen. Erstens, man kriegt nicht mehr mit, was draußen in der Welt passiert. Zweitens, es wird über den deutschen Film geredet. Er ist immer in der Krise, wie die FDP, wie der 1. FC Köln oder ein Berliner Politiker namens Strieder. Schon als ich laufen gelernt habe, sagten die Erwachsenen bei Tisch: „Die FDP fliegt raus, Köln steigt ab, deutscher Film oh weh, reich mal das Salz, und Strieder muss zurücktreten, sie haben was über ihn rausgefunden.“ Ich dachte: „Strieder ist wie die Affen auf Gibraltar. Wenn es auf Gibraltar keine Affen mehr gibt, bricht Britanniens Empire zusammen. Wenn es auf Berlin keinen Strieder mehr gibt, bricht Deutschlands Film zusammen.“

Gestern habe ich zwischen zwei Filmen kurz in die Zeitung geschaut. Über Strieder haben sie was rausgefunden. Köln steigt ab. Die FDP fliegt in Hamburg raus. Deutscher Film, au weia. Alles wie immer. Oops – Schröder ist nicht mehr SPD-Vorsitzender. Hey! Das hat hier beim Festival keiner mitgekriegt. Und, haltet euch fest, Freunde des Films: Benetton ist neuer SPD-Generalsekretär! Clevere Idee. Das ist der Typ mit den skandalös-geschmacklosen Werbeplakaten. Ich dachte: „Er wird ein SPD-Plakat mit Hugh Grant und dem Kannibalen rausbringen, dazu einen Clip, wo beide Hand in Hand singen: Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zu essen, bitte sehr.“ Die SPD wird in aller Munde sein, wegen ihres Mutes, was lange nicht der Fall war.

Noch was Neues: Geheime Pornofilme mit Leni Riefenstahl und Luis Trenker wurden entdeckt. Sie tun es auf blonde Weise im Mischwald. Die Nazis wollten die Filme im Ausland gegen Glasperlen und Zucker eintauschen, aber wer im Ausland will schon deutsche Filme? Muss leider Schluss machen, die Chefin kommt.

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