Kultur : Hard Edge trifft Adidas

Auf den ersten Blick stimmt alles.Die Räume schön, die Galerie in der boutiquengesättigten Laufgegend der besserverdienenden Berliner und Touristen gelegen, die ausgestellte Kunst im mainstream.Doch bei genauerem Nachfragen stellt sich heraus, das Personal ist alles andere als kompetent, Informationen über die Künstlerin sind spärlich.Eine Galerie, die sich so wenig um die Präsentation ihrer Künstler schert, kann weder engagiert noch professionell genannt werden.

Wer also ist Reno Patarica? Eine Malerin, die seit Mitte der 80er Jahre vornehmlich raumbezogen arbeitet.In Gruppenausstellungen umrahmen oder kommentieren ihre Wandmalereien manchmal die Werke anderer Künstler, etwa von Günter Förg, Klaus Merkel oder Georg Herold.Auch bei Kienzle & Gmeiner hat sie eine Wand mit einem Text gefüllt, der aus einer vorangegangenen Ausstellung stammt: "Und wieder hofftest Du ein Gesicht eine Art sich zu halten sich zu bewegen und eine Seele dahinter ..." "Hasty" hat Patarica in großen Lettern darübergelegt.Und mehr noch als hasty, nämlich halbherzig, wirkt diese mit Schrift bemalte Wand im hinteren Bereich der Galerie.Man hätte sich sämtliche Wände bedeckt mit diesen durchlässigen Schriftzügen gewünscht, in denen Text in Malerei übergeht.Doch dieser Plan Pataricas kollidierte mit den frisch geweißten Räumen, die dem Galeristen Jochen Kienzle offenbar mehr am Herzen lagen, als die Arbeit seiner Künstlerin.So hat sie sich für die zweitbeste Lösung entschieden und an die übrigen Wände Gemälde und C-Prints gehängt.

Die Motive stammen meist aus Modemagazinen.Kleidungsstücke an torsohaften Körpern, reduziert auf Farbflächen, die hart aufeinanderprallen, eine gegenständliche Variante der Hard-Edge-Malerei aus den 60ern mit Pop-Attitüde.Pataricas Bilder unterscheiden sich von ähnlichen Werken des Briten Gary Hume durch ihre malerische Technik.Während Hume hochglänzenden Lack auf eine Aluminiumplatte aufträgt, so daß das Motiv ganz vorn auf einer spiegelglatten Oberfläche liegt, arbeitet Patarica mit Acrylfarbe auf Leinwand.Die Farbe ist stumpf und sinkt ein in den von einem massiven Keilrahmen gehaltenen Stoffgrund.So ziehen sich die gleichwohl plakativen Formen in sich selbst zurück und entgehen damit dem Vorwurf, Themen abstrakter Malerei ließen sich mit Label-Ikonographie kurzschließen: Drei vertikale weiße Streifen an einem blauen Dreß zitieren nicht nur die berühmte Marke ("Adidas"Ô, 800 DM), sondern spielen auch auf die vertikale Bildkompostion an.Hard Edge trifft adidas.Auf dem Trainingsanzug aber lösen sich die Sportstreifen auf in dezentes dripping.Vielleicht geht es doch eher um die Welt der Malerei als die der Mode. A.L.

Galerie Kienzle & Gmeiner, Bleibtreustr.54, bis 19.September; Dienstag bis Freitag 13-19 Uhr, Sonnabend 11-16 Uhr.

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