Hark Bohm : Bilder lehren

Zum 70. Geburtstag des Filmemachers Hark Bohm: Von Anfang an verstand sich der studierte Jurist und Mitbegründer des Filmverlags der Autoren als sozialkritischer Beobachter.

Kai Müller
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Hark Bohm

Zuletzt trat er in „Der Architekt“ auf, einem Film mit Josef Bierbichler. Bei einer Preisverleihung treffen die beiden aufeinander, der titelgebende Held und Bohm als sein Kollege, der den schönen Satz sagt: Architekten seien die Einzigen, die in ihren Gedanken spazieren gehen können. Worte, die in ihrer milden Klugheit verschmelzen mit dem immer leicht verknautschten, nachdenklich-jungenhaften Gesicht Hark Bohms. Der gibt oft kluge Sätze von sich – in Filmen sowie als Lehrmeister und langjähriger Direktor des Filmstudiengangs an der Universität Hamburg. „Der Architekt“ wurde von Ina Weisse gedreht, einer ehemaligen Studentin Bohms. Im Film fügt er dem schönen Satz noch hinzu: „Ich baue nicht mehr.“

Vom Architekten unterscheidet den Filmemacher eigentlich nur, dass dessen Gedankengebäude rein virtueller – aber ebenfalls visueller – Natur ist. Wobei Hark Bohm eher als Vertreter des narrativen Films gilt, nicht als Leinwandvisionär. Er ist kein wilder Erneuerer, sondern ein Überzeugungstäter. Von Anfang an verstand sich der studierte Jurist und Mitbegründer des Filmverlags der Autoren als sozialkritischer Beobachter: Seine Werke können den pädagogischen Impuls nicht verhehlen, der sich bis zu seiner Pensionierung 2005 auch in seiner Lehrtätigkeit fortsetzte. Sei es, dass er in dem in Bayern gedrehten Western „Tschetan, der Indianerjunge“ (1973) die Machenschaften von Großgrundbesitzern aufdeckte oder im Film über den wahren „Fall Bachmeier“ (1984) Verständnis für eine Mutter zu wecken versuchte, die den Mörder ihrer Tochter erschoss. Es mag an Bohms ausgeprägtem Aufklärungsinteresse gelegen haben, dass Fassbinder, zu dessen Schauspielerkreis er gehörte, ihn oft für pedantische, autoritäre Figuren besetzte.

Sein wichtigstes Frühwerk: „Nordsee ist Mordsee“ von 1976. Das grau-triste Unbehagen, das von der gewaltsatten, trostlosen Geschichte über zwei jugendliche Ausreißer ausgeht, brennt wie eine Salzkruste auf den Bildern. Mit solchen Stimmungen kennt sich der auf Amrum aufgewachsene Bohm eben aus. Und in „Yasemin“ von 1988, dieser tragischen deutschtürkischen Romeo-und-Julia-Story, gelang ihm eine bedrückende Bestandsaufnahme des Migrantenalltags und der misslungenen Integration.

Mit der Hauptrolle betraute er erneut seinen Adoptivsohn Uwe, eines von vier angenommenen Kindern, zu denen noch zwei Pflegekinder hinzukamen. Sein unermüdliches filmpolitisches Engagement und die Tatsache, dass ihm die Familie und der Regienachwuchs mehr bedeuten, als es der eigenen künstlerischen Produktivität guttut, mögen erklären, warum er als Regisseur seltener in Erscheinung tritt. Ein Verstummen wie in „Der Architekt“ bedeutet das aber nicht. Hark Bohm, der an diesem Montag seinen 70. Geburtstag feiert, dreht noch. Kai Müller

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