Kultur : Harke und Hacke

Das Spanische Nationalballett in der Staatsoper Unter den Linden

Sandra Luzina

Die Spanier zeigen uns wieder mal, was eine Harke ist – und was eine Hacke. Das Spanische Nationalballett zog für ein 12-tägiges Gastspiel in die Staatsoper Unter den Linden ein. Nicht nur auf der Bühne geht es lauter, lebhafter zu als bei heimischen Ballettaufführungen. Bei der anschließenden Premierenfeier wurde getrunken, gesungen und in die Hände geklatscht. Die spanischen Tänzer, nun in Netzhemd und Mini, tanzten weiter und machten dazu ihre eigene Musik.

Das Ballet Nacional de España, das 1978 im Auftrag des Kulturministeriums gegründet wurde, ist der Tradition des spanischen Tanzes verpflichtet. Stolz auf das Erbe verbindet sich hier mit Können : Folklore, aber zur Bühnenperfektion veredelt. Mit Antonio Gades besitzt es einen Choreografen, der weltbekannt wurde durch sein „Bluthochzeit“-Ballett und nicht zuletzt durch den „Carmen“-Film von Carlos Saura.

In „Fuenteovejuna“ greift Gades einen nationalen Stoff auf. Lope de Vega schildert in dem Drama den Aufstand eines Dorfes gegen die Tyrannei eines brutalen Großkomturs. Antonio Gades, Weltstar und überzeugter Kommunist, malt die Solidarität des Volkes in effektvollen Szenen aus. Als Genremalerei in satten Braun- und Rottönen beginnt das Bauernballett. Harken und Pflugscharen werden später zu Waffen, die sich gegen den Despoten richten. Mit Stock, Stab, Schwert wird vorher ausgiebig Männlichkeit demonstriert. Das strotzt nur so vor Virilität – und das muss auch so sein im spanischen Tanz!

Glückliches Spanien: Tänzerisches Feuer und Liebesglut sind keineswegs jungen Heißspornen vorbehalten. Der Dorfvorsteher zeigt dem verliebten Jüngling, wie man seinen Mann steht und mit Hacke und Spitze wütendes Stampfen entfesselt. Auch in die Jahre gekommene Kavaliere verstehen es, den wilden Stier zu mimen. Gades gelingen mitreißende Tanzszenen, wenn er das ausdauernde Werben ums andere Geschlecht schildert – sehr anregend für Städte mit weniger ausgeprägter Balzkultur wie Berlin.

Die rothaarige Frida Madeo und der aparte Christian Lozano sind ein anmutiges junges Liebespaar. Doch nicht durch herausragende Solisten besticht das Spanische Nationalballett, es präsentiert sich als eine Kompanie, die Ensemblegeist mit Individualität vereint und auf Typenkomik setzt. Gades schuf ein politisches Lehrstück mit starken dramatischen Momenten. Und in erster Linie ist dies ja ein Fest für den Tanz.

Bis zum 13.7., Di–So um 20 Uhr, am 13.Juli auch um 16 Uhr .

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