"Harry Potter"-Theaterstück in London : Die Magie geht weiter

Harry Potter schafft den Sprung auf die Bühne. Am Dienstagabend findet die erste Preview zum Theaterstück "Harry Potter and the Cursed Child" in London statt.

Lisa-Maria Röhling
Das Palace Theatre in London,
Das Palace Theatre in London, in dem 'Harry Potter and the Cursed Child' gezeigt wird.Foto: AFP/Daniel Leal-Olivas

„All was well“ – „Alles war gut“. So ging die Saga um den Zauberlehrling Harry Potter und seine Freunde Ron und Hermine zu Ende. Im Juli 2007 mussten sich nach dem siebten Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ Millionen Leser schweren Herzen von ihren Helden verabschieden, 2011 liefen auch die letzten Filmbilder über die große Kinoleinwand. Die Fangemeinde hat allerdings nie aufgehört, sich nach einer Fortsetzung zu sehnen, vor allem, da Potter-Mutti Joanne K. Rowling in den sozialen Netzwerken immer wieder Details und Hintergründe zur Welt der Zauberer veröffentlichte. Was das Loslassen etwas weniger schmerzhaft machte und die Hoffnung weiter nährte. Nun ist mit einem Schlag schon wieder „alles gut“: Der Junge, der überlebte, ist zurück. Am Dienstagabend geht in London die erste Preview des zweiteiligen Theaterstücks „Harry Potter and the Cursed Child“ über die Bühne, Premiere ist am 30. Juli.

Nun also doch: ein achter Teil. Gerüchte rund um Harrys Rückkehr geisterten lange durchs Netz, schon 2013 war ein Theaterstück zur Harry Potter-Saga angekündigt worden. Am 26. Juni 2015, dem 18. Jahrestag der Veröffentlichung des ersten Harry-Potter-Romans, verkündete Rowling, dass die Fortsetzung „Harry Potter and the Cursed Child“ heißen würde: Harry Potter und das verfluchte Kind - Jack Thorne schrieb zusammen mit Rowling das Drehbuch, der Tony- und Olivier-Award-Gewinner John Tiffany übernahm die Regie.

Die Helden der Kinderbücher sind erwachsen geworden

Dass das Stück nun in der Saison  2016/2017 ins Theater kommt, 19 Jahre nach dem Startschuss für den Potter-Welterfolg, ist kaum ein Zufall. Die Handlung des letzten Harry-Potter-Bands war in den Jahren 1997 und 1998 angesiedelt, folglich schreibt auch die Zeitrechnung in der Muggel-Welt das 19. Jahr nach dem letzten Abenteuer des Zauberlehrlings. Die Handlung setzt da ein, wo bereits der Epilog von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ aufhörte: Neunzehn Jahre nach dem großen Endkampf gegen Urbösewicht Lord Voldemort sind die drei Helden erwachsen geworden, haben geheiratet und Kinder bekommen, die sie nun selber am Gleis Neundreiviertel in Richtung Zauberschule Hogwarts verabschieden. Harry Potter ist ein durchschnittlicher Ministeriumsangesteller, Ehemann und Familienvater geworden, so verrät es die vorab veröffentlichte Stückebeschreibung. Der jüngste Sohn Albus Severus Potter, benannt nach der großen Vaterfigur Albus Dumbledore und dem tragischen Antihelden Severus Snape, hat es nicht leicht, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten, er muss es mit einem unbekannten Bösen aufnehmen. Was immer das heißen mag.

Müssen nun alle Potter-Fans nach London reisen? Nicht unbedingt: Am 31. Juli, einen Tag nach der Uraufführung im Palace Theatre im Londoner West End, erscheint das Skript dann gleich in Buchform. Schon im Rahmen des Vorverkaufes landete das Buch in den Top 3 der Amazon-Bestsellerlisten.

Nach dem Theaterstück wartet ein weiteres Wiedersehen mit der Zaubererwelt

Für Aufregung ist schon vorab reichlich gesorgt: Bereits die Nachricht, dass Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore homosexuell sei, hatte kurz nach der Veröffentlichung des siebten Bands für Furore gesorgt. Wesentlich heftiger war allerdings die Reaktion, als im Dezember 2015 die Schauspieler für Harry, Ron und Hermine vorgestellt wurden: Hermine-Darstellerin Noma Dumezweni ist dunkelhäutig. In den sozialen Medien tobte der Sturm rund um „black Hermione“, bis sich Joanne K. Rowling selbst einschaltete: „Der Kanon sagt: Braune Augen, krauses Haar und sehr clever. Niemand hat etwas von weißer Haut gesagt.“ Erst kürzlich verwies sie in einem Interview mit dem britischen „Guardian“ darauf, dass sie derart „idiotische“ Reaktionen fast schon erwartet hatte, ihre Kritiker nannte sie „einen Haufen Rassisten“.

In der letzten Mai-Woche wurden dann erste Fotos der Darsteller in ihren Rollen veröffentlicht, was in den sozialen Medien erneut Euphorie und Diskussionen auslöste. Kritische Stimmen werfen Rowling vor, die Saga immer wieder neu zu beleben, um damit noch mehr Geld zu machen. Schließlich ist „Harry Potter and the Cursed Child“ nicht das einzige Wiedersehen mit der Zaubererwelt in diesem Jahr, denn im November startet „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, auch in den deutschen Kinos. Die Geschichte erhellt die Hintergründe zum Autor eines Hogwarts-Schulbuchs, der in den zwanziger Jahren in New York magische Tierwesen erforscht. Kein anderer als Oscar-Preisträger Eddie Redmayne spielt die Hauptrolle. Das Schulbuch hatte Rowling bereits während der Potter-Serie in einem eigenen Band publiziert; nun hat sie der Geschichte als Drehbuchautorin mehr Leben eingehaucht.

Die Kritik an Rowling scheint die Fans hingegen nicht zu stören, denn sie können das Wiedersehen mit Harry Potter kaum erwarten. Schon in den ersten 24 Stunden nach dem Start des Ticketvorkaufs wurden 175.000 Eintrittskarten vorbestellt, bis weit in das Frühjahr 2017 hinein sind alle Vorstellungen ausverkauft.

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