Kultur : Hart am Ruin

Helmut Caspar

Die nationalen Kultureinrichtungen in den neuen Bundesländern schlagen Alarm: Der andauernde Sanierungsrückstau habe zu ruinösen Zuständen der Häuser geführt, beklagten deren Leiter am Donnerstag in Berlin. Deshalb haben sie sich Anfang März in Halle zur "Konferenz nationaler Kultureinrichtungen" zusammengeschlossen. Unmittelbar vor einem Treffen der Ministerpräsidenten der Länder richten sie nun an die Bundesregierung den dringenden Appell, nicht länger zuzusehen, wie unersetzliches Kulturgut verkommt. "Was im Einigungsvertrag vorgegeben wurde, ist noch lange nicht erreicht", kritisierte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Martin Roth. Im Westen wisse man immer noch zu wenig, welche Schätze der Osten hat, demzufolge hinke die Förderung den Erfordernissen hinterher, so Roth. Unersetzliches Kulturgut sei "hart am Ruin".

Schon im vergangenen Jahr hatte Kulturstaasminister Julian Nida-Rümelin 20 national bedeutsame ostdeutsche Kultureinrichtungen in einem "Blaubuch" aufgelistet: Mit ihren Schätzen, aber auch mit ihren Mängeln. Die Dresdner Kunstsammlungen zum Beispiel müssen Teile ihrer Kostbarkeiten in ungeeigneten Räumen lagern. Die Klassikerstätten Weimar können die ehemalige herzogliche Bibliothek nur stückweise restaurieren. Wichtige Dichterstätten bleiben dicht, weil es durchs Dach regnet. Bei der Preußischen Schlösserstiftung müssen dringend notwendige Bau- und Restaurierungsmaßnahmen verschoben werden.

Ziel der Veröffentlichung ist es, vom Bund mehr Geld für den Unterhalt und die Rettung von national bedeutsamen Sammlungen und Bauten zu erhalten, aber auch über gefährdetes Kulturgut zu informieren. In Zukunft solle das Blaubuch auch auf westdeutsche Institutionen ausgeweitet werden.

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