Kultur : Hart kalkuliert

Warum Haunch of Venison Berlin verlässt

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Erst Bodhi, dann Jablonka und nun Haunch of Venison: drei große Namen auf dem Kunstmarkt, die sich nach jeweils kurzem Intermezzo aus Berlin verabschieden oder in jüngerer Vergangenheit gegangen sind. Da liegt der Schluss nahe, dass in der Hauptstadt (noch immer) keine guten Geschäfte zu machen sind. Zumindest in jener Dimension, wie sie diese internationalen Galerien sonst mit ihren Künstlern – darunter Damien Hirst, Eric Fischl, Subodh Gupta, Yoko Ono oder Mike Kelley – machen.

Tatsächlich aber hat jeder Weggang seine eigene Geschichte, vergleichen lassen sie sich nicht. Die indische Galerie Bodhi war schlicht zu schnell gewachsen und musste Anfang 2009 all ihre Dependancen in New York, Singapur, Dehli und Berlin schließen. Rafael Jablonka, einer der größten und erfolgreichsten Kunsthändler des Rheinlandes, hat sich nicht zuletzt von seinen Künstlern überreden lassen, die allesamt lieber in Berlin als in Köln ausstellen wollten. Verkauft hat die Galerie in den drei Jahren auch – bloß kaum in die Stadt, sondern zum Beispiel nach New York, wo laut Jablonka „auf einer Straße mehr Sammler sitzen als in ganz Berlin“. Das nun hätte ihm allerdings jeder hier ansässige Galerist vorher erzählen können. Und wie zäh das Unterfangen immer noch ist, als Berliner Unternehmen von Berlin zu leben. Und so wundert es am Ende eigentlich nicht, wenn nun auch Haunch of Venison die Segel streicht: Als Tochter des Auktionshauses Christie’s ist man Teil einer Familie, in der nun einmal hart kalkuliert wird.

Entsprechend fällt die Bilanz aus: Die Dependancen von Haunch of Vension in London und New York werden erweitert. Den Standort Berlin dagegen spart man sich im Wortsinn und schließt die schönen Räumlichkeiten in der Heidestraße mit dem Ende von Yoko Onos aktueller Ausstellung am 13. November.

Dass Galerien keinen kulturellen Auftrag haben, sondern Geld verdienen müssen, ruft diese Entscheidung ebenso klar ins Bewusstsein wie die weiterhin schwache Präsenz großer Sammler in der Stadt. Vor allem aber schließt sich mit dem Weggang erneut ein Fenster zur internationalen Kunstwelt. Viele begegnen Haunch of Venison wegen der klaren Verschränkungen mit dem Auktionsbusiness mit Vorbehalten, Kunstmessen wie das Art Forum oder die Frieze lassen die Galerie nicht zu. Doch wo sonst hat man in den vergangenen drei Jahren in Berlin solch spektakuläre Ausstellungen von Zhang Huan, Richard Long oder Mat Collishaw gesehen? Diese Lücke tut weh und schließt sich nicht so schnell.

Christiane Meixner

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