Kultur : Hart und härter

Roman Deininger

Der Italiener Alberto Moravia hat einmal einen Roman namens "Ich und Er" geschrieben, in dem geht es um einen Mann und seinen sprechenden Penis. Das wäre an sich nicht weiter schlimm. Das Ärgernis beginnt erst bei den Leuten, die immer wieder glauben, die Idee des Herrn Moravia sei ein konzeptioneller Geniestreich und bestimmt Stoff für einen guten Film. Doris Dörrie zum Beispiel, die "Ich und Er" zum ersten Mal für die Leinwand adaptiert und "ihn" mit Heiner Lauterbach besetzt hat. Oder Bernd Eichinger, der hier einmal weniger an einen guten als an einen erfolgreichen Film gedacht und vor drei Jahren mit Marc Rothemunds "Harte Jungs" so etwas wie die deutsche Teenie-Welle losgetreten hat. Die spült uns jetzt eine Fortsetzung des Millionenhits ins Kino: Knallharte Jungs, da begräbt eigentlich schon der Titel alle Hoffnungen. - Es redet also immer noch, das beste Stück des fünfzehnjährigen Flo, oder besser: beschwatzt den armen Kerl. Deswegen müssen wir uns ansehen, wie er seiner Lehrerin an die Brüste greift, mit abenteuerlichen Onanierhilfen experimentiert und Oralverkehr mit einem Hund hat. Man merkt das vielleicht nicht gleich, aber Tobias Schenke, der diesen knatschgesichtigen Loser spielt, ist eines der großen Darstellertalente in Deutschland. Ein Komiker aber ist er nicht - und selbst wenn er es wäre, stünde immer noch das massivhölzerne Drehbuch des britischen Regisseurs Granz Henman zwischen ihm und einem Grund zum Lachen. Axel Stein dagegen, der in der Sat1-Serie "Hausmeister Krause" erschütternd glaubhaft Tom Gerhardts Sohn verkörpert, muss man heutzutage wohl einen Komiker nennen. Er bräuchte gar kein Drehbuch, das ihn als Flos bauernschlauen Kumpel vorstellt. Mit massigem Körpereinsatz und rheinischer Kodderschnauze macht er sein Zeug, und wenn man allen guten Willen zusammen nimmt, kann man das für lustig halten. Es bringt ja auch nichts, bei jeder Pubertätsklamotte aufs Neue über Fäkalhumor, Sexismus und Schablonenfilmerei zu schimpfen. Vielleicht nur so viel: Nach "Knallharte Jungs" möchte man "American Pie" rückwirkend zu einem seriösen Filmessay über die Krise der Jugendkultur erklären.

Irgendwann gegen Schluss steht plötzlich Axel Milberg im Film herum, und für ein paar Sekunden darf man hoffen, dass jetzt alles besser wird. Doch dann spuckt und niest er auch bloß durch die Gegend - Hundeallergie, na ja. Immerhin: Als Flo das Gequake seines kleinen Hosen-Freundes endlich nicht mehr erträgt, öffnet er den Reißverschluss, packt sich ein Beil - das ist die große Chance, uns vor einem dritten Teil zu bewahren. Er schlägt daneben.

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