Kultur : Harte Sache

Suhrkamp: Schiedsgericht soll entscheiden

Gerrit Bartels

Es wirkt zunächst wie ein Aufeinanderzugehen: Die Suhrkamp-Verlegerin Ulla- Unseld Berkéwicz und ihre Hamburger Kontrahenten, die neuen Minderheitengesellschafter Hans Barlach und Claus Grossner, streben eine außergerichtliche Einigung ihres Konfliktes an. Sie wollen in einem (auch von Siegfried Unseld vertraglich für solche Fälle vorgesehenen) Schiedsgerichtsverfahren versuchen, alle strittigen Punkte auszuräumen.

Durch ein Schiedsgerichtsverfahren können Privatpersonen und Unternehmen vermögensrechtliche Streitigkeiten anstatt vor einem staatlichen Zivilgericht vor einem privaten Spruchkörper austragen. Der Vorteil ist, dass hierbei einerseits die jeweiligen Konfliktparteien Personen als Schiedsrichter einsetzen können, die sich in der Sache besser auskennen als staatliche Richter. Andererseits dauert das Verfahren kürzer, ist kostengünstiger, und es gibt keinen langwierigen Gang durch mehrere Instanzen. Das kann dem zuletzt durch das Medien-Ballyhoo ramponierten Ansehen des Suhrkamp Verlags nur zugute kommen und Schaden von ihm abwenden.

In der Streitsache aber ändert das Schiedsgerichtsverfahren nur wenig. Die Suhrkamp-Verlagsführung ist weiterhin davon überzeugt, dass die komplizierte Transaktion, durch die der Schweizer Minderheitengesellschafter Andreas Reinhart seine Suhrkamp-Anteile an die Hamburger Investoren Hans Barlach und Claus Grossner veräußert hatte, nicht rechtmäßig ist. Und auch die Strafanzeige gegen Barlach und Grossner wegen Verleumdung von Ulla-Unseld-Berkéwicz ist ihnen gestern zugegangen, laut Suhrkamp-Geschäftsführer Philip Roeder allerdings verspätet: Die Hamburger Kriminalpolizei hatte Roeders Angaben nach Schwierigkeiten, den Wohnsitz von Claus Grossner ausfindig zu machen.

Aus dem Hause Grossner gibt es Signale der Verständigung. Er selbst sagte der dpa: „Ich gehe davon aus, dass die ganze Sache friedlich beigelegt wird.“ Man wolle nur erreichen, „dass Inventarlisten gemacht werden und die Wirtschaftsprüfung vernünftig läuft“. Das klang schon schärfer – in dem elf Punkte enthaltenden Strategiepapier der Medienholding AG Winterthur (Tagesspiegel vom 6. Januar). Doch gehört eben auch die Politik des Appeasements mit zum Geschäft von Medieninvestoren und Weltzukunftsstrippenziehern.

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