Kultur : Harte Zeiten für Propheten

FREDERIK HANSSEN

Bei der letzten Spielplan-Pressekonferenz der Deutschen Oper Berlin konnte man Generalmusikdirektor Christian Thielemann richtig ärgerlich: Alles habe er versucht, um zum 50.Todesjahr von Richard Strauss 1999 ein Gesamtberliner Gedenkfestival auf die Beine zu stellen - vergeblich.Darum feiere sein Haus den Komponisten nun eben allein: Nach zwei Repertoire-Aufführungen der "Elektra" und einer begeistert aufgenommenen "Frau ohne Schatten" im Herbst machten Thielemann im Dezember allerdings die eigenen Musiker einen Strich durch die Rechnung, als die Wiederaufnhame der "Salome" ausfallen mußte, weil das Orchester aus Protest gegen die Kündigung seiner "Medienpauschale" nicht spielfähig war.

Geblieben sind ihm noch zweimal Götz Friedrichs Deutung des "Rosenkavaliers" am 7.und 21.März (mit Karan Armstong als Marschallin, Juliane Banse als Sophie, Yvonne Wiedstruck als Octavian und Franz Hawlata als Ochs) und - als letzte Premiere der Saison - am 19.Juni die selten gespielte "Daphne".Die Titelrolle singt Nancy Gustafson, am Pult steht - natürlich - der Strauss-Fan Thielemann selber.Die Inszenierung wurde dem jungen Regisseur Anthony Pilavacchi anvertraut, der zuletzt mit einer äußerst witzigen "Liebe zu den drei Orangen" von Prokofjew in Lübeck auf sich aufmerksam machte.

Wenn es auch keine Berliner Strauss-Fest gibt, die Deutsche Oper huldigt dem Komponisten keineswegs allein: Mit der "Ariadne" präsentierte die Komische Oper gerade ihren Beitrag zum Strauss-Jahr, die Staatsoper Unter den Linden entdeckte bereits den Ballett-Komponisten Strauss mit der "Josephs Legende" und holt außerdem vier ältere Inszenierungen zurück ins Repertoire - für jeweils nur drei Vorstellungen: Den Anfang macht "Capriccio", nun dirigiert von Michael Boder (17., 22.1.und 20.2.), am 21.und 27.2.sowie 5.3.folgt Harry Kupfers eindrückliche "Salome"."Elektra" in der Dieter-Dorn-Inszenierung ist am 24.2.und 10./15.4.mit Elizabeth Connell in der Titelrolle zu erleben, und schließlich gibt es noch den "Rosenkavalier" am 22.und 25.4.sowie 1.5.mit Gabriele Fontana als Marschallin, Iris Vermillon als Octavian, Janet Williams als Sophie und Günther Missenhardt als Ochs.

"Daphne", die drittletzte Oper von Richard Strauss frei nach Ovids "Metamorphosen", an deren Ende die schöne Nymphe in einen Baum verwandelt wird, erlebt im Gedenkjahr 1999 erstaunlicherweise gleich drei Wiederbelebungsversuche: In Salzburg wird sich die jetzige Meininger Intendantin und ehemalige Regisseurin der Komischen Oper, Christine Mielitz, am 14.2.mit dem Stück auseinandersetzen, in Essen stellt Peter Konwitschny, der "Regisseur des Jahres 1998", am 29.Mai seine Version vor.

Im übrigen brechen harte Zeiten für Propheten an - Salome fordert allerorten den Kopf des Jochaanan: Am 13.Februar bringt Christoph Nel seine Inszenierung der "Salome" in Frankfurt am Main heraus, am 2.5.folgt "Salome" in Granz - inszeniert von Martin Ku"sej.Gleich einen ganzen Strauss-Zyklus hat sich "Den Jyske Opera" in Aarhus vorgenommen, das selbstbewußte "kleine Opernhaus" Dänemarks, das dem Kopenhagener Hauptstadt-Musiktheater auch schon mit einem vielbeachteten "Ring" Paroli geboten hat: Nach der 1998er "Elektra" kommt im Gedenkjahr am 18.August nun die "Salome" heraus, musikalisch betreut von Michael Sch²nwandt, dem ehemaligen Chefdirigenten des Berliner Sinfonie-Orchesters.Die Titelrolle singt Tina Kiberg.Im August 2000 folgt "Die schweigsame Frau" mit Bo Skovhus, Aage Haugland und Kirsten Blanck.

Und sonst? Sir Colin Davis wird der Dirigent der Dresdner "Ariadne" sein (Premiere: 14.März), hier führt dann Marco Arturo Marelli Regie.Spannend könnte auch der Baseler "Rosenkavalier" werden, den Regie-Shootingstar Andreas Homoki betreut.Die Dirigentin der Premiere am 2.Mai ist Julia Jones.Wem das alles nicht genug Strauss ist, der kann beruhigt sein: Der eigentliche Todestag des Komponisten steht ja "erst" am 8.September an - in der Saison 1999/2000 kann also noch einiges nachkommen.

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