Kultur : Hattuscha: Rückgabe schon im April?

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Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay rechnet damit, dass Deutschland im kommenden Monat der Rückgabe der hethitischen Sphinx von Hattuscha zustimmt. „Ich denke, dass wir bis Ende April zu einem positiven Ergebnis kommen“, sagte Günay nach Angaben seines Ministeriums am Mittwoch in Berlin. Er habe bei seinem Gespräch mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Dienstag eine „positive Haltung“ der deutschen Seite festgestellt. „Soweit ich sehen konnte, sieht man grundsätzlich ein, dass die Türkei hier im Recht ist“, sagte Günay. „Ich habe bei diesem Thema keinen Widerstand gespürt.“

Zwar wolle er den Verhandlungen zwischen den Kulturabteilungen beider Außenministerien nicht vorgreifen, die Mitte April in Ankara oder Istanbul stattfinden sollten, „aber ich rechne mit einem positiven Ausgang“. Die Türkei fordert seit Jahren die Rückgabe der Sphinx. In einem Tagesspiegel-Interview hatte Günay der Bundesrepublik vor zwei Wochen ein Ultimatum bis Juni gesetzt und angedroht, andernfalls dem Deutschen Archäologischen Institut die Grabungen in der hethitischen Hauptstadt Hattuscha zu entziehen, wo deutsche Archäologen schon seit über hundert Jahren forschen.

Die Sphinx war 1915 von deutschen Forschern nach Berlin gebracht worden. Die Figur war nach deutsch-türkischen Ausgrabungen 1915 zusammen mit einer zweiten Sphinx weitgehend zerstört nach Berlin gekommen, um restauriert zu werden. Eine der Skulpturen wurde 1924 an Istanbul zurückgegeben, die andere steht heute im Pergamon-Museum.

Nach Angaben von Günay ging es im Gespräch mit Neumann auch um die zwölf deutschen Grabungen in der Türkei, zu denen außer Hattuscha unter anderem noch Pergamon und Troja zählen. Die Türkei wünsche sich mehr Einsatz von den Deutschen, sagte Günay, also längere Grabungskampagnen und mehr finanzielles Engagement. Über Einzelheiten solle bei den Verhandlungen im April gesprochen werden.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärte, bei den geplanten Gesprächen in der Türkei gehe es generell um eine Verstärkung der deutsch-türkischen Zusammenarbeit im Museumsbereich wie auch bei archäologischen Ausgrabungen. In der Frage der hethitischen Sphinx solle eine Lösung gefunden werden, so Neumann: „Dies halte ich für möglich, da es sich dabei um einen nicht vergleichbaren Einzelfall handelt, aus dem Rückschlüsse auf sonstige Rückgabefragen nicht gezogen werden können.“ An dem Treffen im April wird auch der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, teilnehmen. Susanne Güsten

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