Kultur : Hauchen & Fauchen vom weiblichen James Brown

H.P. Daniels

Ist Ani DiFranco "The hardest working woman in showbusiness"? 14 Alben in 9 Jahren summieren sich zu eindrucksvoller Bilanz. Allein drei davon sind in diesem Jahr erschienen, "To The Teeth" gerade in diesen Tagen: ein hervorragendes Werk zwischen Folk, Funk und Jazz, Heart and Soul. Nach wie vor schreibt, arrangiert, musiziert, produziert und publiziert die junge Frau aus Buffalo unabhängig und ausschließlich für ihr eigenes Label, konsequent und unbeirrbar, trotz lockender Angebote der Plattenindustrie. Respekt! "Was ist los?" fragt Ani, "seid ihr bei Iggy Pop nicht mehr reingekommen?" Sie freut sich, dass das ColumbiaFritz gesteckt voll ist, obwohl nebenan der alte zerfurchte Mann aufspielt. Iggy ist über 50 und immer noch Pop. Ani ist 29 und sieht aus wie 15. Mit einem komischen kurzen Rock über einer komischen langen Hose, mit schwarzem Trägerhemdchen und lockigen Strubbelhaaren. Die zierliche Frau mit dem großen Mund und der riesigen Gitarre ruckelt und zuckelt, zippelt und hippelt rastlos herum zwischen den Mitstreitern an Tasten, Bass und Schlagzeug. Kraftvoll krallt sie die Finger in die Saiten diverser Akustikgitarren, läßt Flageoletts klingeln, tiefe Töne knallen. Während ihre wunderbare Stimme oszilliert zwischen Hauchen und Fauchen, atemberaubendem rhythmischen Sprechen und verschlungenen jazzigen Melodien. Ani rappt und funkt und punkt, wie ein junger, weiblicher James Brown. Manchmal singt sie eine ruhige Ballade. Dann ist es am schönsten.

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