Kultur : Hauptsache Soul

Bodo Mrozek

taucht nach schwarzen Perlen Nichts ist bei Musik so wichtig wie Harmonie. Tatsächlich aber ist das Verhältnis zwischen DJ und Publikum ein gnadenloser Kampf zweier grundverschiedener Interessen. Das Publikum will meist bekannte Ohrwürmer hören. Der DJ aber will Platten spielen, die nur wenige kennen, weil ihm die Megahits zu den Ohren raushängen. Manche DJs setzten deshalb auf die 30-70-Methode: ein Drittel Bekanntes, zwei Drittel eigene Entdeckungen. Andere machen es umgekehrt und wieder andere spielen nur, was ihnen selbst gefällt. Wer das durchsetzen kann, gehört zu den Künstlern seines Faches.

Gerade bei schwarzer Musik herrscht in Berlin ein eklatantes Missverhältnis. Es gibt etliche Koryphäen für den kaum bekannten Rare Soul. Auf der anderen Seite wummert das, was man im Musikfernsehen als R&B bezeichnet, aus den Bassboxen der Großraumdiskos: austauschbare, spiegelglatte Sounds, die so schnell in ein Ohr hineinfinden, wie sie zum anderen wieder entweichen. Dazwischen aber gähnt eine merkwürdige Leere.

Diese Lücke zwischen Ultra-Spezialistentum und Hitparade füllt nun eine neuartige Party. Hannes Rosenhagen , seit zehn Jahren Gastgeber des „Out On The Floor“-Alnighters im Roten Salon hat die erste Berliner Modern Soul Party konzipiert. Im Café Moskau (Karl-Marx-Allee 34) setzt er am 29.1. ab 23 Uhr das Elektro-gewöhnte Publikum nun zum zweiten Mal neuerer Soulmusik aus. Bei der Modern Soul Party Stolen Hours werden die Briten Miles Eastwick (London) und Paul Sutton (Brighton) die Kunst des „double decking“ demonstrieren, des spontanen Mixens ihrer Platten. Atze Knauf vom Frankfurter Up Tight-Club und Lars Bulnheim , Gitarrist der Hamburger Band Superpunk, werden die eine oder andere Philly-Soul-Perle auflegen. Danach erklingt vielleicht ein schwarzes Vocal-House-Stück. Dies ist eines der besten Rezepte, den Kampf mit dem Publikum zu gewinnen – ohne sich beim Massengeschmack anzubiedern. Und manche werden noch nicht einmal merken, dass es sich bei den vielfältigen Klängen zwischen Gangstergroove und Housebässen immer nur um eines handelt: hervorragende Soulmusik.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben