Kultur : Hauptstadt-Guerilla

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rüdiger schaper über

Claus Peymanns Entscheidung für Berlin

Ja, wer hat denn nun gewonnen? Claus Peymann, der nun doch am Berliner Ensemble bleibt bis zum Jahr 2007 – oder Klaus Wowereit, der sagen kann, er habe Peymann ohne weitere finanzielle Zugeständnisse gehalten? Es war ein hartes und interessant zu beobachtendes Geduldsspiel zwischen dem Regierenden Bürgermeister und dem Theaterdirektor, der einmal als „Reißzahn im Regierungsviertel“ nach Berlin gekommen ist. Peymann drohte, Wowereit schwieg. Peymann wollte Wowereit dringend sprechen. Wowereit hatte keine Zeit oder keine Lust. Wowereit genießt die Macht: Selbst Frank Castorf, den Intendanten der Volksbühne, ließ er im vergangenen Jahr eine Weile schmoren. Das ist der Vorteil oder Nachteil bei einem Regierungschef, der aus der Kulturpolitik kam: Er ist mit der Rhetorik der Branche bestens vertraut. Wenn ein Peymann kocht, bleibt ein Wowereit kühl.

Inzwischen hat aber auch Peymann sein Temperament auf Berliner Betriebstemperatur heruntergekühlt. Klappern und Drohen, Schimpfen und Protestieren – all das gehörte zum Handwerk der Intendanten in einer Zeit, als die Generation Peymann Karriere machte und Intendantenposten besetzte, die damals noch Machtpositionen waren. Doch mit der unangefochtenen Intendantenherrlichkeit ist es aus, die Bühnen kämpfen um ihren Status quo, und die alten Parolen (Theaterkiller! Kulturvernichter! etc.) verfangen nicht mehr. Sie klingen heute peinlich oder einfach nur lustig. Wenn Claus Peymann erklärt, er werde zur Not als „GuerillaKämpfer“ sein Berliner Ensemble verteidigen, so kann man ihn nur dazu beglückwünschen, der bestbezahlte Untergrundkämpfer aller Zeiten zu sein.

Nein, das alles ist ganz normal. Peymann erfüllt seinen Vertrag, sein Haus ist vergleichsweise immer noch glänzend finanziert, er hat sein Publikum gefunden. Ein Publikum, das sich an der jungen Schaubühne nicht wohlfühlt, das mit Castorf wenig anfangen kann und auch mit dem durchaus experimentierfreudigen Deutschen Theater nicht recht glücklich wird. Vielfalt ist gut. Und: Intendanten laufen nicht massenhaft herum. Wie schwer es ist, kompetente Theaterleiter zu finden, sieht man in Zürich, in Hamburg, überall. Peymanns Problem: Er will von allen geliebt werden, vom Publikum, von den Politikern und von den Kritikern. Am liebsten würde er sie sich selbst backen. Aber das hat kein Brecht, kein Striese je geschafft.

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