Kultur : Hauptstadtkultur: Einig, einig!

jök

Nein, er war nicht gekommen. Obwohl er kürzlich mit seinem "Zeit"-Artikel eine neue Debatte um den Kulturföderalismus losgetreten hatte, erschien Michael Naumann diesmal nicht. Wozu noch einmal die Schelte der Kultusminister über die ungerechtfertigte Bevorzugung Berlins und die umstrittene Dreieinhalb-Millionen-Spende an die Staatsoper einstecken und den wortgewandten, anekdotenreichen Klagen Christoph Stölzls über die hauptstädtische Finanzmisere lauschen, wenn sich doch alles in wenigen Wochen aus dem Hamburger Blickwinkel der "Zeit"-Herausgeberschaft betrachten lässt? Der Diskussionsrunde des Deutschlandradios im Französischen Dom in Berlin fehlte so freilich ihre Bezugsperson.

Denn so sehr sich die Moderatoren Konrad Franke und Jens Jessen auch bemühten, eine grundsätzliche Debatte über den Stellenwert der Hauptstadtkultur in der föderalistischen Bundesrepublik wollte einfach nicht in Gang kommen. Auch weil Nachrückerin Monika Griefahn, Vorsitzende des Bundeskulturausschusses, hauptsächlich bestrebt war zu zeigen, dass der Bund weder Berlin noch die Länder bei seinem Engagement vernachlässige. Und weil NRW-Kultusminister Michael Vesper allen Frotzeleien zum Trotz sich nicht ernsthaft mit Griefahn und Stölzl streiten wollte - und wohl auch über die Probleme der Berliner Kulturszene nur grob informiert war. Wer hätte auch Stölzl widersprechen wollen, der wieder einmal darauf hinwies, dass Berlin eben einfach übrig geblieben sei von Preußen und von der DDR, dass mithin nicht nur die Kultur einer Hauptstadt, sondern zweier untergegangener deutscher Staaten finanziert würde. Nicht einmal Norbert Lammert, der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, mochte Stölzl herausfordern, auch wenn er als einziger versuchte, die friedliche Runde in Schwung zu bringen. Die Freundlichkeit des Bundes gegenüber der Hauptstadt sei ausgeprägter als die Solidität der Berliner Finanzverwaltung, rief er in den Saal - und erntete dafür die gleiche unverbindliche Zustimmung wie für seinen schon im Bundestag geäußerten Vorschlag, die Berliner Festspiele konzeptionell zu überdenken. Blieb für Jessen nichts, als "vernünftige Einigkeit" als Fazit des schnell beendeten Abends zu proklamieren. Nicht einmal das Publikum hatte Fragen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar