Haus der Kulturen : Hugh Masekela geehrt

Das Haus der Kulturen der Welt würdigt die Jazz-Legende Hugh Masekela. In seiner Musik verbinden sich Swing und Bebop mit afrikanischen Rhythmen, wie er sie über die Musik der Townships kennengelernt hatte, wo traditionelle südafrikanische Musik mit US-Jazz verschmolzen wurde.

Barbara Mürdter

Hugh Masekela macht den Eindruck eines pensionierten Lehrers: ein kleiner, agiler Mann mit lebendigen Augen und wachem Geist. Keine Spur von Sex, Drugs und Rock’n’Roll, auch wenn er dieser Dreifaltigkeit ausgiebig gefrönt hat. Dass der 70-jährige Trompeter und Sänger zu den bedeutendsten Jazzmusikern Afrikas zählt, tut er mit einer Handbewegung ab. Wenn er von sich erzählt, gleitet er stets in größere politische und historische Zusammenhänge ab. Ungeachtet der Tatsache, dass er fast die Hälfte seines Lebens in den USA und in afrikanischen Staaten verbracht hat, ist es Südafrika unter der Apartheid, um das seine Gedanken kreisen. Es ließ ihn werden, wer er ist. Die Unterdrückung seiner Leute trieb ihn ins Exil, viele seiner Freunde und Verwandten hat die Knute des Regimes zu menschlichen Wracks gemacht – oder getötet.

Masekela wollte schon als Bebop-begeisterter Teenager raus. 1960 erfüllte sich sein Traum, doch bald plagte ihn das Heimweh: „Ich habe niemals diese Aufregung verspürt, die andere Leute erfasst, wenn sie in New York sind. Für mich war es schwer, glücklich zu sein, wenn auf deine Leute jeden Tag geschossen wird.“ So blieb er mit Landsleuten und Kollegen eng verbunden, die ebenfalls im US-Exil waren – am innigsten mit Miriam Makeba. Selbst dass er 1968 einen Superhit hatte, „Grazing In The Grass“, ließ ihn die Heimat nicht vergessen. Viele seiner Songs wie „Coal Train“ behandeln Township-Themen, wobei in dem Titel auch die Verehrung für Coltrane mitschwingt.

In Masekelas Musik verbinden sich Swing und Bebop mit afrikanischen Rhythmen, wie er sie über die Musik der Townships kennengelernt hatte, wo traditionelle südafrikanische Musik mit US-Jazz verschmolzen wurde. „Jeder hatte damals ein Grammofon. Und diese Musik auf Platten, 78er Vinyl“, erinnert er sich an die Kindheit in der Bergarbeiterstadt Witbank. Das „Shebeen“, die illegale Kneipe seiner Großmutter, ist für ihn noch als der Ort lebendig, an dem alles zusammenfand: die Straßen der Townships, die ärmlichen Quartiere und die Kirchenchöre und Blechblasorchester, die musizierend durchs Viertel zogen. „Jedes Wochenende fand eine Art Spontankarneval statt – wo immer die Minenarbeiter ein Plätzchen fanden, machten sie Musik.“ Aber auch etwas anderes brannte sich ihm ein: dass die Großmutter, die stark genug war, betrunkene Bergleute zu verprügeln, Angst vor den Weißen hatte.

Dass man seine funky-pulsierenden Lieder im Westen meist politisch interpretierte, entlockt Masekela ein Lachen: „Wir haben das nie in Kategorien gepackt. Wir sind im Protest groß geworden.“ Lange bevor er in den Achtzigerjahren an der Entstehung von Paul Simons „Graceland“-Album beteiligt war, bildete er die Nahtstelle zu afro-amerikanischen Kollegen, die im Zuge der „Mother Africa“–Bewegung ihre Wurzeln entdecken wollten. So initiierte er 1974 in Kinshasa das legendäre Musikfestival, das im Vorfeld zum Boxkampf zwischen Ali und Foreman als kulturelle Versöhnungsgeste angelegt war.

Masekela redet mit kehliger, raspelnder Stimme. Und immer wieder lacht er ein kurzes, meckerndes Lachen, das den bitteren Unterton nicht verhehlen kann, meistens dann, wenn es um das heutigen Südafrika geht. Er hat nie an die Heilsversprechen nach dem Ende der Apartheid geglaubt. Man habe von den Schwarzen verlangt, ihren ehemaligen Unterdrückern zu verzeihen: „Es hätte aber auch eine ökonomische Versöhnung geben müssen. Die Apartheid hat 1652 begonnen und bis heute nicht aufgehört.“

Für seinen Freund Nelson Mandela hatte er 1987 die Hymne „Bring Him Back Home“ geschrieben. Gegen was soll er jetzt kämpfen? So hat er sich ausgeklinkt und schnaubt: „Es ist schon witzig, dass es während der Unterdrückung eine viel größere musikalische Aktivität als heute gab. Die Apartheidregierung hat die schwarze Kultur gefördert, um sich im Ausland positiv darzustellen.“

Hugh Masekela liest am heutigen Donnerstag im Haus der Kulturen der Welt aus seiner Autobiografie (19 Uhr), es singt Joy Denalane (20 Uhr). Die Konzerte am 15. 5. stehen im Zeichen der Hommage (20 Uhr), am 16. 5. tritt Masekela selbst mit Band auf (20 Uhr).

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