Kultur : Haydn emphatisch

RSB mit Rögner und Anne GastinelAuch wenn die Wiener Klassik zur eigentlichen Domäne der großen Symphonieorchester gehört, tun diese sich mitunter schwer, sich auf eine vorromantische Musizierpraxis einzulassen.Natürlich verkleinerte Heinz Rögner für Haydns Cello-Konzert in D-Dur den Streicherapparat des Rundfunk- Sinfonieorchesters und sorgte im Schauspielhaus für klangliche Transparenz und leicht federnde Trommelbässe.Aber schon die Auflösung der kontrastreichen Stufendynamik in weiche Crescendi atmete eher spätklassischen Geist.Diesem entsprach dann auch, daß Anne Gastinel ihren Part nicht als konzertierendes Cello, sondern als Solokonzert im emphatischen Sinne auffaßte und während der Einleitung des Kopfsatzes pausierte, statt der Partitur gemäß den Streichsatz mit gebrochenen Akkorden zu verdichten.Eine Eitelkeit, die man der jungen Solistin bald zu verzeihen bereit ist.Mit wunderbar schlankem Ton und lupenreiner Intonation findet sie ihren Weg durch die sich in halsbrecherische Höhen aufschwingende Solostimme und krönt ihr ausdrucksvolles Spiel mit einer ausgedehnten dreiteiligen Kadenz, die in zurückhaltend moderner Gestaltung anachronistisches Barockisieren gekonnt umgeht.Danach wirkt der erste Satz von Bruckners Zweiter wie ein verkapptes Cellokonzert, wird hier doch das thematische Material zumeist von den tiefen Streichern vorgestellt.Ihrem drängenden Fluß läßt Rögner freien Lauf, verschiebt aber damit die dynamischen Proportionen zum Forte hin und nimmt so der Brucknerschen Musik viel von ihrer Delikatesse.Erst die spannungsvoll ausmusizierte Schlußgruppe des Andante - Rögner wählte hier die erste Fassung mit Hornsolo - ließ ahnen, was das RSB an konzentrierter Detailarbeit zu leisten vermag.Weitaus mehr jedenfalls, als Rögner mit seinem auf die Großform konzentrierten Blick zulassen wollte. str

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