Kultur : Haydn-Ensemble: Das Schweigen - Klassik im Kammermusiksaal

Sybill Mahlke

Es gehört zum guten Ton des Berliner Philharmonischen Orchesters, dass auch an seinen zweiten Bläserpulten Musiker sitzen, die mühelos die Ersten Solisten vertreten können. Das Fach Oboe ist besonders gesegnet: Neben Albrecht Mayer und Hansjörg Schellenberger sind Andreas Wittmann und Dominik Wollenweber (Englischhorn) hervorragende Solospieler. Als künstlerischer Leiter des Haydn-Ensembles steht Schellenberger nicht an, seinem jungen Kollegen Christoph Hartmann, dem fünften im philharmonischen Oboenbund, ins Rampenlicht zu verhelfen: Den "Haydn-Kontrast" bildet diesmal "Chemin IV" von Luciano Berio, ein Stück, in dem sich die virtuos führende Instrumentalstimme dem Farben- und Ideenreichtum der vokalen Arbeiten des Italieners annähert. Während Schellenberger dirigiert, entfaltet Christoph Hartmann eine oboistische Fabulierlust, variable Lautmalerei, artistische Doppelklänge, dass es eine Freude und staunenswerte Entdeckung ist. Gefeiert wird auch Stefan de Leval Jezierski für die klare Kantabilität, die er dem Siciliano eines Hornkonzerts von Saverio Mercadante verleiht. Im Kammermusiksaal der Philharmonie gilt dies als vorläufig letztes Konzert der Gruppe, weil ein finanzieller Engpass ihr eine saisonale Denkpause auferlegt. Die zugabefördernde Publikumsmeinung heißt jedenfalls: Weitermachen! Willkommen und Abschied des Abends bilden zwei Sinfonien der Brüder Haydn, von Michael eine in D-Dur und von Joseph eine frühe in F-Dur (Hob. I:40). Dabei steht das kammermusikalische Engagement von Bernhard Hartog, dem Konzertmeister vom Deutschen Symphonie-Orchester, der dieses Amtes auch hier unter Philharmonikern waltet, in glücklichem Kontakt mit der Leitung Schellenbergers.

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