HEAVY METALMotörhead : In Lärmgewittern

Jörg W,er

Keine gestreiften Röhrenhosen, keine Pudelfrisuren, kein Kastratengesang, keine eingesprungenen Endlos-Gitarrensoli: Motörhead sind in über 30 Jahren nicht einen Moment peinlich gewesen. Für all die Geschmacksverirrungen des Heavy Metal blieben Lemmy Kilmister und seine wilden Hunde völlig unempfänglich, weil sie nie die Notwendigkeit gesehen haben, sich irgendwelchen Trends anzupassen.

Seit ihrer Gründung 1975 klingen Motörhead im Grunde identisch: Ihr Repertoire besteht aus brutal geprügelten, unterirdisch dröhnenden Hochgeschwindigkeits-Lärmgewittern, die im Garagen- Trash der Kingsmen, dem Bluesrock-Inferno von Blue Cheer und dem Leichenkeller-Metal von Black Sabbath ihre Wurzeln haben. Darüber knurrt Lemmy seine Texte mit einem grabestiefen Organ, das meist spätestens zur Songmitte in wütendes Gekeife umschlägt – eine Art stimmliches Äquivalent zum Gitarrenfeedback.

Motörhead waren die einzige Hardrock-Band, für die sich auch Punks begeistern konnten. Vielleicht hatten sie sogar Angst vor ihnen, denn Motörhead konnten zwar auch nicht besser spielen als Sex Pistols und Konsorten, waren aber härter, schneller und vor allem viel lauter. Spätere Metal-Speedfreaks wie Slayer oder Anthrax mögen ihnen die Temporekorde abgejagt haben, die archaische Wucht der britischen Sturköpfe konnten sie indes nie kopieren. Und erst recht nicht deren bizarre Volkstümlichkeit, denn die berühmtesten Motörhead-Songs wie „Ace of Spades“, „Bomber“ oder „Overkill“ sind tatsächlich so etwas wie Standards geworden: apokalyptische Ohrwürmer für die weltweite Hartschädel-Gemeinde. Jörg Wunder

Columbiahalle, Mo 3.12., 20 Uhr, ausverkauft

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