"Hedwig And The Angry Inch" : Ihr Schnecken!

Trash-Charme: Sven Ratzke im Musical „Hedwig And The Angry Inch“.

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Foto: Promo
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Im Keller des Admiralspalastes gab es vor zwei Jahren für kurze Zeit eine Absinth Bar. Durch ein Fenster konnte man in den brachliegenden hinteren Gewölbeteil schauen. Jetzt wird er erstmals  als Show- Location genutzt und sieht aus wie eine Tiefgarage, die mit alten Möbeln dekoriert wurde. Das passt zur Hauptfigur des Eröffnungsstückes „Hedwig And The Angry Inch“: Sie hat ebenfalls einen trashigen Charme. Sven Ratzke verkörperte diese zwischen den Geschlechtern schwebende „international ignorierte“ Sängerin aus Ost-Berlin, die 1998 in einem Off- Broadway-Musical ihren ersten Auftritt hatte und durch den gleichnamigen Film auch in Europa bekannt wurde.

Fans dieser Werke sollten nicht zu viel von Guntbert Warns (Regie) deutscher Version erwarten, der Stoff wurde nämlich stark gerafft. Doch wer die Vorlage nicht kennt, hat es mitunter schwer, dem versponnenen Plot zu folgen. Denn Ratzke erzählt oder spielt alle Figuren selbst – außer der des zweiten Ehemanns Yitzak (Maria Schuster). Eine solide aufspielenden vierköpfige Band begleitet den 1977 geborenen Entertainer. Die Rocksongs wurden teilweise eingedeutscht, was nicht allen Stücken bekommt. „The Origin Of Love“ etwa mutiert von der Breitwand-Ballade zum Pop-Schlager. Insgesamt kommt „Hedwig“ in der Adaption eindimensionaler rüber. Sie wirkt wie eine vorlaute Transe aus der Verwandtschaft von Edith Schröder und erinnert nur selten an die melancholische Hedwig, die John Cameron Mitchell verkörpert hatte.

Ratzke macht mit blonder Perücke und Glitzermini eine gute Figur. Seine hochenergetische Performance lebt stärker von seine Zoten als von seinem Gesang. Häufig bezieht das Publikum ein („Ihr Schnecken“), es funkt aber nur stellenweise.

Wieder 7.-9.6., 3.-7.7, 27.-31.8., 20 Uhr

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