Heesters : 103. Geburtstag auf der Bühne

Er feiert im Wiener Konzerthaus, auf der Bühne, mit einigen seiner berühmtesten Lieder. Wie und wo hätte Johannes Heester auch sonst seinen 103. Geburtstag begehen sollen?

München - Heesters, der Grandseigneur, der Frack, Zylinder und weißen Schal noch immer mit einer Selbstverständlichkeit trägt wie kein anderer. "Der Unsterbliche" nannte ihn kürzlich "Die Welt". Heesters selbst kokettiert mittlerweile mit dem 120. Geburtstag, den er als nächstes anstrebt.

Erst vor wenigen Wochen war Heesters bei der Vorstellung eines neuen Bildbands über ihn in den für seine Karriere entscheidenden Berliner Admiralspalast zurückgekehrt. Vor 66 Jahren war er dort erstmals in der "Lustigen Witwe" von Franz Lehar aufgetreten, der umjubelte "Graf Danilo" wurde seine Paraderolle. Heesters wurde damals gleich zum Frauenschwarm, als schöner junger Mann. Und heute sei er "ein schöner alter Mann", sagt der mit der 46 Jahre jüngeren Simone Rethel Verheiratete selbstbewusst. An den Tagen vor Weihnachten will er die Berliner von seinem jung gebliebenen Charme überzeugen, mit Katja Riemann zusammen spielt er dann eine Weihnachtsgala - wieder im Admiralspalast.

Berufswunsch Priester

Mit seiner Unermüdlichkeit bestätigt Heesters immer wieder seinen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, wo er als ältester aktiver Schauspieler der Welt geführt wird. Dabei hätte sein Leben auch ganz andere Wendungen nehmen können: Der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Kaufmannssohn kam nämlich erst über Umwege zur Kunst: Ursprünglich wollte er Priester werden, machte dann aber eine Banklehre. Nachdem Heesters sich mit Freunden in einer Theatergruppe engagiert hatte, schloss er eine Schauspiel- und Gesangsausbildung an.

Sein erstes Geld mit der Kunst verdiente das jüngste von vier Kindern an Sprechbühnen in Amsterdam, Den Haag, Brüssel und Rotterdam. Die Erfolge dort blieben aber bescheiden im Vergleich zu dem, was Heesters in Deutschland erwartete: Nachdem er ab 1935 in Berlin Theater spielte, wurde Heesters schnell zum Liebling der Millionenstadt.

Erste große Rolle als "Bettelstudent"

Rasch wurde die Ufa auf den gutaussehenden Schauspieler aufmerksam und machte ihn zum Leinwandstar. In "Der Bettelstudent" spielte Heesters an der Seite Marika Rökks seine erste große Filmrolle. Der Niederländer und die 2004 verstorbene Ungarin wurden zum Traumpaar des Dritten Reichs - und Heesters geriet allmählich ins Blickfeld der Nationalsozialisten. Nachdem er noch von 1936 bis 1938 nach eigenen Angaben ein Berufsverbot bekam, weil er sich Propagandaminister Joseph Goebbels widersetzte und nicht Deutscher wurde, wurde anschließend ausgerechnet Adolf Hitler zu einem seiner glühendsten Fans.

1939 besuchte Hitler mehrmals das Münchner Theater am Gärtnerplatz, um Heesters als Danilo zu sehen. Fortan machte Heesters zwar keine gemeinsame Sache mit den Nazis, er verweigerte sich aber auch nicht seiner Funktion als Star der "Ablenkungsfilme", die während des Zweiten Weltkriegs die Deutschen ins Kino lockten. Für böses Blut in seinem Heimatland Niederlande sorgte ein bis heute nicht endgültig geklärter Besuch im Konzentrationslager Dachau: Heesters bestreitet Behauptungen, damals dort mit seinen Theaterkollegen für die SS gesungen zu haben.

"Im Herzen bin ich Holländer"

Die Berichte über den KZ-Besuch verhinderten, dass Heesters' Wunsch nach einem Auftritt in seinem Geburtsland - "im Herzen bin ich Holländer" - in Erfüllung ging. "Inzwischen habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass es dazu wohl nicht kommen wird," sagte er einmal in einem Interview. Der Gedanke daran lässt bei dem Gefühlsmenschen aber immer wieder die Tränen fließen, auch öffentlich.

Trotz dieses Schattens lässt sich der von seinen Fans liebevoll "Jopie" genannte Heesters die Freude am Genuss nicht nehmen. Mit seiner Frau Simone wohnt er am Starnberger See, mit einem Gläschen Wein oder einem guten Whiskey lässt Heesters gerne den Tag ausklingen. Und auch für die verstärkten Anstrengungen der Politik gegen den Tabakkonsum ist er ein schlechtes Vorbild: "Kann man hier rauchen?", fragte er bei der Vorstellung des Bildbands über ihn ganz ungeniert. (Von Ralf Isermann, AFP)

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