Kultur : Heimat Humor

Elegant: Iván Fischer bei den Berliner Philharmonikern.

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Ungar dirigiert Ungarisches – da mag man an gefühlsseliges Musizieren mit einem Schuss Paprika denken. Wenn Iván Fischer vor die Berliner Philharmoniker tritt, umspielt ein dezentes Lächeln seinen Mund, das nicht aus dem Land des Lächelns stammt. Es ist eine Einladung, das Wechselspiel der Musik an immer feinerem Humor zu schärfen. Diesen zu teilen, ist eine Kunst, die Fischer mit den von einer kräftezehrenden Asientournee zurückgekehrten Philharmonikern weiter- treiben kann – zumal er als designierter Chef des Konzerthausorchesters künftig kurze Wege hat. Dann werden die „Symphonischen Minuten“ von Ernö Dohnányi noch schneller verrinnen, angetrieben von einem raffinierten Uhrwerk, das die Erwartungen des Zuhörers mit großer Genauigkeit antizipiert. Fischer justiert die orchestrale Unruhe gerade so, dass der Kunstcharakter des Werkes aufscheint. Auf überbordende Spiellust verlässt er sich nicht. Diese Haltung prägt auch die Aufführung von Jenö Hubays 3. Violinkonzert mit dem philharmonischen Konzertmeister Daniel Stabrawa als mild strahlendem Solisten. Internationale Podiumsware, 1907 vom Vater der ungarischen Violinschule verfasst. Eleganter als Fischer kann man sich der Aufgabe nicht entledigen, dieses Werk zu dirigieren, auch wenn es scheint, dass bei seinen Musikern unterwegs ein harter Zug um den Mund huscht. Schuberts Jugendwerke schließlich, „Fünf Deutsche Tänze“ und die 5. Symphonie, erklingen als perfekt ausgeleuchtetes Hörspiel, bar jeder Erdenschwere. Musik kennt nur eine Heimat: die des Humors (noch einmal am heutigen Sonntag, 20 Uhr). Ulrich Amling

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