Kultur : Heimgeleuchtet

STEFFEN BURKHARDT

15 Variationen auf das Ready-madeVON STEFFEN BURKHARDTFür großes Aufsehen sorgte 1916 Marcel Duchamps Werkgruppe "Ready-made": Der Künstler stellte Alltagsgegenstände, also "bereits fertiggestellte" Objekte aus - und wurde prompt von der "Society of Independent Artists" ausgeschlossen.Inzwischen ist das Ready-made salonfähig geworden, genauer: geschäftsfähig.In den Verkaufsräumen von "d-lite Lichttechnik" im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin zeigen 15 Künstler ihre Version des Ready-made.Hinter "Unterschiedliche Dinge", so der Ausstellungstitel, verbergen sich bearbeitete Alltagsutensilien - von getragenen Kleidungsstücken (Andreas Exner) über manipuliertes Spielzeug (Stefan Demary) bis zur Geruchsinstallation (Vera Bourgois). Zusammengestellt wurden die Objekte von Jochen Fischer, dessen Arbeit "Weisheit des Ostens" ein Glanzstücke der Ausstellung ist: An einer Wand hängen drei blaue Kittel, Jacken von Mao Tse-tungs fleißigen Arbeitern, darunter steht ein Karton, in dem sich ein Plastiksack mit chinesischen Glückskeksen befindet.Um den Karton liegen die auf Papier gedruckten Weisheiten, Produkte fernöstlicher Ideologie - entmystifiziert durch Verweise auf den Arbeitsprozeß.Axel Liebers "Memorial" stellt die Frage nach dem Wirklichkeitsanspruch von Kunst: Eine Wolldecke scheint über einen Koffer gelegt zu sein, dessen Konturen sich unter dem Stoff abzeichnen.Wer das Objekt berührt, merkt schnell, daß sich darunter nichts befindet.Durch den Titel werden die von einem "Memorial" transportierten Inhalte hinterfragt. Das Thema Wirklichkeit bearbeitet auch Heike Pallanca mit ihrem Metallkasten "Which on Which", dessen Front aus einer Glasplatte besteht.Auf ihr ist eine leuchtende Neonröhre abgebildet, die aus dem Kasten heraus angestrahlt wird."Which on Which" erweckt den Eindruck, die Neonröhre sei die Lichtquelle und stellt gleichzeitig die Frage, was im Kasten leuchtet. Nicht alle "Unterschiedlichen Dinge", die bereits in der Frankfurter Goethe-Universität zu sehen waren, sind Ready-mades im eigentlichen Sinne.Durch die Auseinandersetzung mit Alltagsgegenständen verbinden sie sich dennoch mit Duchamp, dessen Anliegen es schließlich war, "ein Etwas zu schaffen, das weder Kunst noch Gebrauchsgegenstand ist, zwar ein Werk, aber kein Kunstwerk". DAZ, Köpenicker Str.48/49, bis 30.April; Montag bis Donnerstag 9-13 Uhr und 14-18 Uhr, Freitag 9-14 Uhr.

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