Kultur : Heimliche Favoriten

Silvia Hallensleben

rühmt das Frühwerk von Filmpreis-Kandidaten Die Debatten um den Deutschen Filmpreis liefen dieses Jahr besonders heiß, schließlich stehen demnächst gewichtige Änderungen bevor: Dennoch blieb fast überall die merkwürdige Tatsache unerwähnt, dass in der Kategorie Dokumentarfilm mit der „Geschichte vom weinenden Kamel“ und „Die Kinder sind tot“ zwei Arbeiten nominiert waren, die in einem an dokumentarischen Ereignissen reichen Jahrgang eher am Rande standen. Viele Filme, die bewegten, blieben außen vor. So auch „Die Spielwütigen“, Andres Veiels Langzeitstudie über Leiden und Glück einer Gruppe von Adepten der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“. Vor zehn Jahren bereits hatte Veiel das Filmband in Silber mit Balagan gewonnen – einem noch immer hochaktuellen Film, der auf andere Weise die Verschränkung von Bühne und Leben studiert. Hier steht eine Theatergruppe im israelischen Akko im Mittelpunkt, die mit ihrer Inszenierung „Arbeit macht frei“ die offizielle Shoah-Gedenkkultur des Landes provoziert. Dabei brachte die Truppe, in der jüdische mit arabischen Schauspielern zusammenarbeiten, ein arabisches Ensemblemitglied als vermeintlichen Verräter in lebensgefährliche Bedrängnis ( Freitag und Sonnabend im Dokument-Kino, Rungestraße).

Auch Horst Krause war ein Absolvent von „Ernst Busch“. Beim Filmpreis musste der zartbesaitete Koloss gleich den ganzen Film allein vertreten, dem er mit seiner Figur die Seele gegeben hatte: Michael Schorrs eigenwillige Regieleistung selber in „Schultze Gets the Blues“ war dem Auswahlausschuss keine Nominierung wert. Weil der Film in Venedig schon einen internationalen Regiepreis bekommen hatte? Vielleicht konnte man aber auch mit Schorrs lakonischem Stil weniger anfangen als mit den geschwätzigen Wortkaskaden von Leander Haußmanns „Herr Lehmann“, der es gleich auf drei Nominierungen – darunter einer als bester Spielfilm – brachte. Auf die Bühne gebeten wurde dann aber doch nur Detlev Buck als Nebendarsteller – eine für einen Mann seines Standes eher undankbare Rolle. Mit Wir können auch anders hatte Buck 1993 noch groß abgeräumt – mit einem Filmband in Silber für die Produktion und goldenen Bändchen für Buch, Musik und die Hauptdarsteller Joachim Król und Horst Krause. Es war Krauses erste Rolle auf der großen Leinwand. Und der Auftritt, der Schorr damals auf den Darsteller aufmerksam machte (morgen Abend im Freiluftkino Naturtheater Friedrichshagen).

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