Kultur : Heimspiel

Musik aus Deutschland ist Popkomm-Schwerpunkt

Michael Luger

„Aber hier leben, nein danke!“ sang die deutsche Intellektuellenrockband Tocotronic 2005, als gerade das Etikett „Deutsch“ in der Popmusik wieder salonfähig wurde. Bands wie Silbermond, Juli, Mia und Virginia Jetzt! bezogen sich offen auf ihre Herkunft und betonten ihre Zugehörigkeit zum schwammigen Genre Deutschpop. Ein neues deutsches Selbstbewusstsein war in die Popmusik eingezogen, und alteingesessene, politisch tendenziell linke Bands wie eben Tocotronic oder die inzwischen aufgelösten Blumfeld ärgerten sich fürchterlich. Mittlerweile ist das Label „deutsch“ mehr als etabliert und eine tragende Säule der Musikwirtschaft.

Nicht zuletzt deshalb ist heuer nach Brasilien, Spanien und Frankreich ausgerechnet Deutschland Partnerland bei der Popkomm, der internationalen Fachmesse für Musik und Entertainment in Berlin. Deutschland präsentiert sich den Messebesuchern vom 19. bis 21. September in all seinen musikalischen Facetten, bei der Ausstellung, beim Kongress und auch beim dazugehörigen Festival, das an den Popkomm-Tagen an verschiedenen Berliner Spielstätten Messebesucher und Nichtmessebesucher mit Livemusik versorgt. Popkomm-Direktorin Katja Bittner will bei diesem Heimspiel „deutsche Musik ins Blickfeld der internationalen Öffentlichkeit rücken“, wie sie gestern in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sagte.

Zumindest ein kleiner Erfolg für die deutsche Musikwirtschaft ist bereits im Vorfeld erzielt worden. Mit der „Initiative Musik“ wurde ein Programm zur Stärkung populärer Musik in Deutschland beschlossen. Dieter Gorny, stellvertretender Vorsitzender der Phonoverbände und Gründer des Musiksenders Viva, ist voll des Lobes für Kulturstaatsminister Bernd Neumann und freut sich über einen „historischen Schritt“, um den „immer noch stark unterschätzten Wirtschafts- und Kulturfaktor Popmusik“ aufzuwerten. Die dafür vorgesehene Fördersumme ist allerdings eher dürftig und nicht unbedingt von historischem Ausmaß: 1,5 Millionen Euro sind in einem Markt mit 5 Milliarden Euro Jahresumsatz wohl eher ein symbolischer Akt guten Willens als eine wirkliche Hilfe, zumal beispielsweise die Filmwirtschaft jährlich mit 60 Millionen Euro gefördert wird. Michael Luger

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