Kultur : Heimvorteil

Die Geschwister Pfister kehren in die Bar jeder Vernunft zurück

Jörg Königsdorf

Fast ist es, als wäre nie etwas gewesen: Toni, der Ordentliche, bemüht sich wie immer vergeblich, den Laden zusammenzuhalten. Ursli palavert mit seinem Glamourzicken-Dinglish anarchisch-defätistisch drauflos, zeigt seine Posen und seine Ringe, dass Paris Hilton noch was davon lernen könnte. Und dann ist da natürlich noch das slawisch charmierende Fräulein Schneider mit seiner unbeirrbaren Gelassenheit, die sogar einen Lampenschirm als Kopfbedeckung mit Anmut zu balancieren weiß. Die Geschwister Pfister mithin, wie wir sie lieben, seit sie sich vor 15 Jahren zur flottesten Dreierbeziehung des deutschen Showbiz zusammenfanden.

Und doch war da ja noch etwas anderes gewesen: Mit einer Revue im Tipi hatte das Trio vor dreieinhalb Jahren seinen Abschied verkündet und sich unter dem Titel „Have a ball“ sozusagen die Kugel gegeben. Seltsam hölzern wirkte damals das eingespielte Beziehungsgeplänkel, fade Kalauer, mühseliger Schwanengesang. Doch die mit allerlei Soloprojekten gefüllte Karenzzeit hat allen dreien merklich gut getan, und auch bei der Wiedervereinigung der Geschwister darf man aus dem Titel der neuen Show durchaus ein Eingeständnis herauslesen. „Home, sweet home!“ bedeutet die Rückkehr zum vertrauten Wohlfühlrahmen der Bar jeder Vernunft – und zu den gemeinsamen Wurzeln: Betont off-szenig und spartanisch ist die Bühne möbliert, eine Theatertür, ein Stuhl und ein Sofa lassen Raum für Spontaneität und wunderbar trashige Dreierchoreografien, mit denen die Pfisters selbst so abenteuerliche Nummern wie Willy Schneiders Betulichkeits-Klassiker „Schütt’ deine Sorgen in ein Gläschen Wein“ oder Trouvaillen wie Lynsey de Pauls alten Grand- Prix-Titel „Rock bottom“ servieren.

Ein guter Schuss Anarchie ist immer mit dabei, auch im Musikprogramm, das sich genüsslich von Steven Sondheim über Freddy Mercury bis hin zu balkanischen Volksliedern erstreckt. Statt sich im polierten Revueparkett zu spiegeln, splattern, tucken und witzeln die Geschwister herum, als ob sie einfach nur täten, wozu sie gerade Lust hätten. Auch die Hemmungslosigkeit, mit der die krude Pseudohandlung um eine Homestory für die BBC zurechtgeschustert ist, wirkt, als hätten die Pfisters in der Zwischenzeit einen Dramaturgievermeidungskurs bei Ades Zabel belegt: Um bisweilen längliche Dialoge scheren sie sich ebenso wenig wie um eine sozialverträgliche Pausentaktung. Wozu auch, wenn man endlich wieder zu Hause ist?

Bis 6. 7., jeweils Mittwoch bis Sonntag

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