Kultur : Heimweh nach sich selbst

Steffen Richter

fährt nicht an die Ostsee Was hätte Uwe Johnson wohl dazu gesagt? In seiner mecklenburgischen Heimweh-Heimat konnte man kürzlich literaturtouristisch auf des Dichters Pfaden wandeln. Natürlich gibt es gute Gründe, den Schriftsteller zu feiern, der am 20. Juli siebzig geworden wäre. Immerhin steht sein „Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen“ am Beginn eines der wichtigsten Romane der deutschen Literatur: die „Mutmaßungen über Jakob“.

Wer in der vergangenen Woche Urlaub hatte und an der Ostsee war, hätte dort im Städtchen Wiek eine „Uwe-Johnson-Festwoche“ miterleben können. Für alle anderen bleibt die Berliner Johnson-Woche im Brecht-Haus (26.7.-30.7., jeweils 20 Uhr). Heute liest dort Ulrich Matthes, morgen stellt Eberhard Fahlke, Leiter des Frankfurter Johnson-Archivs, gemeinsam mit seinem Co-Herausgeber Thomas Wild den gerade erschienenen Briefwechsel Uwe Johnsons mit Hannah Arendt (Suhrkamp) vor. Annett Gröschner und Christoph Peters testen als Vertreter einer jüngeren Schriftstellergeneration am 29.7. das erzählerische Erbe des Meisters auf seine Haltbarkeit. Zum Abschluss gibt es am 30.7. eine Wort-Klang-Collage, die einige von Johnsons Texten musikalisch in Szene setzt. Da dürfte die Biografie in den Hintergrund treten. Und das ist zweifellos im Sinne des Geehrten. Schließlich hatte der in einem fingierten Nachruf auf „Mr. Johnson“ schon zu Lebzeiten die eigene Person verrätselt: „Identität des verstorbenen Autors zweifelhaft“.

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