Kultur : Heimweh

Der Exilant Raul Paz ist die Pariser Stimme Kubas

Maxi Sickert

Die blonden Locken stehen nach allen Seiten ab. In seiner Wohnung im 10. Arrondissement lehnt sich Raul Paz zurück. Er hat gerade ein paar Tage frei. Keine Konzerte, keine Studiotermine. Seit im letzten Jahr seine CD „Mulata“ erschien, wird Raul Paz als neuer Star der kubanischen Musik gefeiert. Der heute 33-jährige Sänger kam vor acht Jahren nach Paris. Vor einigen Jahren gründete er mit anderen die erfolgreiche kubanische Hip-Hop-Band Orishas.

Bei der amerikanischen Plattenfirma RMM erschien dann sein erstes eigenes Album „Cuba Libre“, das in Amerika über 100000 Mal verkauft wurde. In Kuba wurde das (mittlerweile vergriffene) Album wegen seines Titels verboten, obwohl der, wie Raul Paz betont, „nicht politisch gemeint“ war. Bei dem kleinen französischen Label Naive veröffentlichte Raul Paz dann mit „Mulata“ ein geradezu perfektes Album: Behutsam modernisierte kubanische Musik, sehr tanzbar, mit witzigen, nachdenklichen und erotischen Texten. So singt er über Panchito, einen Burschen, der sich überall anpasst, aber davon träumt, vier Geliebte gleichzeitig zu haben. Oder über sein „Barrio“, sein „Viertel“ in den „Städten ohne Erinnerung“. Ein anderer Song handelt von den Mädchen Mari und Juana, die auf keiner Party fehlen und „auf der Suche nach dem Glück“ sind, dem sie etwas nachhelfen – mit „Marihuana“.

Geboren in einem kleinen Dorf im Westen Kubas, studierte Raul Paz erst in Havanna Geige und Operngesang und arbeitete nebenbei als Schauspieler für Fernsehserien. Mit einem Künstlervisum konnte er nach Brasilien ausreisen und entschloss sich, nicht mehr in sein sozialistisches Heimatland zurückzukehren. Von Südamerika aus kam er über Mexiko nach Miami, wo Tito Puente und Celia Cruz ihn davor warnten, sich mit negativen Äußerungen über Kuba politisch instrumentalisieren zu lassen. „Ich habe sehr unter dem Einreiseverbot gelitten, meine Familie durfte ich jahrelang nicht sehen.“ Mittlerweile darf er als Tourist einreisen, seine Band nicht. Um Schwierigkeiten für die in Kuba lebenden Musiker zu vermeiden, sind ihre Namen nicht auf der CD.

Später ließ Raul Paz die Stücke von den Erfolgsproduzenten Danya und Ferry Ultra in Mousse T´s Peppermint- Studios in Hannover abmischen, um „eine Mischung aus kubanischer und europäischer Identität“ zu erhalten. Denn obwohl er sich seit der Geburt seines Sohnes Rocco „französischer und europäischer“ fühle, hat er immer noch den Blick von außen und scheint selbst erstaunt zu sein, wie gut seine Musik auch bei Nichtkubanern ankommt.

Raul Paz spielt am 30. September im Kesselhaus der Kulturbrauerei im Rahmen der Popkomm (21 Uhr).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben