Kultur : Heine-Preis für Handke: Kippt die Entscheidung?

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Die geplante Verleihung des mit 50 000 Euro dotierten Heinrich-Heine-Preises an Peter Handke könnte noch kippen. Laut der „Rheinischen Post“ muss die Jury-Entscheidung vom Rat der Stadt Düsseldorf bestätigt werden. Dass dieser im Juni die Verleihung rückgängig macht, sei durchaus möglich, denn SPD, Grüne und FDP kritisieren die Entscheidung für den österreichischen, wegen seiner im Balkankrieg proserbischen Haltung umstrittenen Autor. Die drei Fraktionen haben im Rat die Mehrheit. Das Votum für Handke, der bei der Beerdigung des Diktators Slobodan Milosevic eine Rede gehalten hatte, stößt auch in der NRW-Regierung auf Unverständnis. Fritz Kuhn, Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, bezeichnete die Entscheidung wiederum als „Skandal“. Der Stadtrat müsse den Beschluss rückgängig machen; die Verleihung sei eine Verhöhnung der Opfer des Regimes und eine Verhöhnung Heines. „Es ist empörend, dass sich in Deutschland Künstler und Intellektuelle für diese schäbige Preisverleihung hergeben“, sagte Kuhn.

Auch serbische Intellektuelle protestieren und plädieren für eine differenzierte Betrachtung. Die Dramatikerin Biljana Srbljanovic schreibt in der französischen Zeitung „Le Monde“: „Für Slobodan Milosevic eintreten, hat niemals bedeutet, für Serbien zu sein. (...) Wer der Freund von Slobodan Milosevic ist, kann nicht der Freund Serbiens sein.“ddp/dpa /Tsp

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