Heinrich-Heine-Preis : Dauerhaft beschädigt

Nach dem unwürdigen Spektakel um die Vergabe des Heinrich-Heine-Preises an den Österreicher Peter Handke sind alle Beteiligten beschädigt: Der Autor, der verbliebene Rest der Jury, die Kommunalpolitik und der Preis selbst.

Düsseldorf - Nach dem Rücktritt der Kritikerin Sigrid Löffler und des Professors Jean-Pierre Lefèbvre aus der Jury des Heinrich-Heine-Preises droht nun die renommierte Auszeichnung selbst beschädigt zu werden. Mit Blick auf den Eklat um die geplante Preisvergabe an den Autor Peter Handke (63) sprachen sie von einer «Hetzjagd gegen den Gekürten» und teils schlecht vorbereiteten Preisrichtern. Die negativen Folgen für die Stadt Düsseldorf und den Heine-Preis seien allerdings durch den Streit um die Vergabe an den Österreicher ohnehin schon «so groß, dass dieser Rücktritt auch nichts mehr ausmacht», sagte Marit von Ahlefeld, Vertreterin der Düsseldorfer Bündnisgrünen in der Jury, am Freitag der dpa.

Nach Ansicht von Jury-Mitglied Julius H. Schoeps werden Literaturpreise es nach dieser Auseinandersetzung «künftig generell sehr schwer haben». Löfflers und Lefèbvres Schritt sei «konsequent», sagte der Potsdamer Historiker der dpa am Freitag. Er selber habe nicht für Handke als Preisträger gestimmt. Es könne aber in «keinem Fall akzeptiert werden, dass die Entscheidung einer Jury, die berufen worden ist, von politischen Instanzen gekippt wird». Handke war die Auszeichnung der Stadt Düsseldorf am 20. Mai von der Jury zugesprochen worden.

Die Österreicherin Löffler und der Franzose Lefèbvre hatten in einem Schreiben, das die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag veröffentlichte, ihren Austritt mit dem «vorgefallenen Vertrauensbruch» begründet. «Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören.» Ohne Namen zu nennen, kritisierten sie Jury-Mitglieder, die sich öffentlich von der Entscheidung für Handke distanziert hatten. Die Düsseldorfer Ratsfraktionen hatten nach dem Eklat um die Zuerkennung des Preises an Handke angekündigt, ihre notwendige Zustimmung mehrheitlich zu verweigern. Nach Ansicht von Nordrhein-Westfalens Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) wird es in diesem Jahr nun keinen Preisträger geben.

Zwar würde «niemand Handkes bizarre Aktionen in Sachen Milosevic nachvollziehen oder gar billigen wollen», schrieben Löffler und der Literaturprofessor Lefèbvre. Die «blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot gemacht und in seinem Werk beschädigt werden soll», dürfe aber nicht unwidersprochen bleiben. «Die Hetzjagd gegen den Gekürten beweist ungewollt, wie sehr Peter Handke den Heine-Preis verdient hätte». Auch Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek forderte in der «Frankfurter Rundschau»: «Lesen und dann reden, aber nicht hetzen.»

Einem Teil der Preisrichter werfen Löffler und Lefèbvre in ihrer Austrittserklärung mangelnde Vorbereitung und unzureichende Kenntnis vor. Ein Vorwurf, den auch der Filmemacher Wim Wenders erhebt. «Wer sich nur aufs Hörensagen verlässt, auf anonyme Quellen oder Gerüchte, der mag Peter Handke schnell verteufeln», schrieb Wenders in der «Süddeutschen». Leser seiner Werke aber könnten nicht anders, «als dem Autor den Rücken zu stärken und sich zu solidarisieren».

In einer Solidaritäts-Aktion für Handke, dem pro-serbische Positionen vorgeworfen werden, plant das Theater Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) am 22. Juni, dem Tag der Entscheidung des Düsseldorfer Stadtparlaments, eine Handke-Lesung. Die Veranstaltung solle der «Diffamierung» des Autors durch die Politik entgegenwirken. (tso/dpa)

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