Kultur : Heinz im Glück

Die Hofer Filmtage feiern 40. Geburtstag

Christiane Peitz

Warum heißt Hof Hof? Wim Wenders hatte einst die schönste Antwort parat. Hofer Filmtage, das bedeutet: „Heinz organisiert Filme“, oder, für die ausländischen Gäste: „Home of Films“. Heinz Badewitz, so heißt der Chef, eröffnet die Filmtage heute Abend zum 40. Mal – mit Marcus C. Rosenmüllers „Schwere Jungs“ über die deutschen Bob-Olympioniken 1952. Werner Herzog hat das jährliche Branchen-Familientreffen wahlweise die „Wohnküche des deutschen Films“ getauft; zu dessen Jubiläum wird nun eine Retrospektive mit 18 Filmen gezeigt wird. Und alle, na ja, fast alle kommen, die seit 1967 dabei waren: Wenders, Alexander Kluge, Detlev Buck, Dominik Graf, Hans-Christian Schmid, Sönke Wortmann und Christoph Schlingensief.

Wie alles anfing in den wilden Sechzigern? 1963 war der Hofer Kameramann und Kurzfilmer Badewitz nach München gezogen, der Hochburg des Neuen Deutschen Films. Da dieser Neue Deutsche Film – von Regisseuren wie Wenders, Herzog, Geissendörfer und Fassbinder – damals auch noch der ziemlich unbekannte deutsche Film war, wollte kein Münchner Kinobesitzer die Werke „dieser langhaarigen Affen“ zeigen, erzählt Badewitz. Er kannte einen in Hof, der das nicht so eng sah. Also trafen sich die Münchner im Mai ’67 in der fränkischen Kleinstadt zum Kurzfilme-Gucken. Auch im Jahr darauf, als „Besonders Wertvoll“ von Hellmuth Costard aus politischen Gründen bei den Oberhausener Kurzfilmtagen abgesetzt wurde, hieß die Parole: Auf nach Hof! „Nur dort“, so Badewitz, „konnten wir ein offenes Festival feiern, ohne Auswahlgremium, ohne Wettbewerb.“ Der erste Hofer Langfilm war Jean-Marie Straubs „Chronik der Anna Magdalena Bach“.

Man reiste an mit der Filmkopie unterm Arm, Badewitz stand auf der Bühne, und im Saal wurden rote Fahnen geschwenkt. Es war APO- Zeit, die Hofer feierten mit. Doris Dörrie kümmerte sich zehn Jahre lang um die Gäste, auch Caroline Link jobbte fünf Jahre als Gästebetreuerin. Eine Befreiung: Bis dahin gab es außer Oberhausen nur Großstadtfestivals. „Die Provinz“, so Badewitz, „wurde durchlüftet, im toten Eck an der Grenze zur DDR und zur Tschechoslowakei.“

Seit 1972 finden die Filmtage im Oktober statt, ein offenes Festival bis heute, im Kino in der Fußgängerzone. Nur professioneller sind sie geworden, die Filmemacher wie die Festorganisatoren, die bis Sonntag 82 deutschsprachige Ur- und Erstaufführungen sowie Deutschlandpremieren internationaler Autorenfilme präsentieren, kurze und lange. Ganz ohne Wettbewerb geht es auch nicht mehr. Am Samstag steigt am Theresienstein das traditionelle Fußballspiel zwischen der FC Filmwelt (Auswärtige) und dem FC Hofer Filmtage (Einheimische). Außerdem wetteifert die Hof-Family Tag und Nacht um die Wurst: an der längst in der ganzen Filmwelt berühmten, direkt vor dem Kino platzierten Bratwurstbude. Wer schafft die meisten? Die meisten Festivaljahre hat Heinz Badewitz geschafft: Ein Wahnsinn, sagt er selbst, dass er nun schon zum 40. Mal Filme organisiert.

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