Kultur : Heinz Kahlau: Dichten gegen die Kälte

Katrin Hillgruber

"Wie du mich liebst, so ist es gewesen: Irrtümer, Mühsal, Freuden und Siege" schließt Heinz Kahlaus Gedicht "Wie du mich liebst". Es stammt aus dem legendär gewordenen Gedichtband "Du" von 1971, der mittlerweile seine 15. Nachauflage beim Aufbau-Verlag erlebt. Allen Lesern im Osten ist der gebürtige Drewitzer ein Begriff. Man nennt ihn schlicht den "Versemacher" oder "Verseschmied". Die handwerkliche Implikation dieser Bezeichnungen ist im Falle Kahlaus keine Herabwürdigung eines Schöngeistes, sondern ein zutreffender Ehrentitel. Die klare, zupackende Sprache des früheren Traktoristen sichert seinen Büchern seit Jahrzehnten einen Ehrenplatz in ostdeutschen Büherschränken und den Gemütern ihrer Besitzer. 1954 debütierte Heinz Kahlau mit der Verserzählung "Hoffnung blüht in den Zweigen der Kaiba". Da war er schon Meisterschüler bei Bertolt Brecht, von dem er nicht das Dichten, sondern das Denken gelernt habe, wie er in einem Interview mit dem "Neuen Deutschland" resümierte.

Seit einem halben Jahrhundert lebt er nun als freischaffender Lyriker, Dramatiker, Kinder- und Drehbuchautor in Berlin. Von 1970 bis 1980 gehörte er dem Präsidium des Ost-PEN an. Zu seinen Werken zählen unter anderem die Balladensammlung "Der besoffene Fluß", die Selbstauskunft "Der Vers, der Reim, die Zeile. Wie ich Gedichte schreibe", Werkzeugbücher für Kinder wie "Das Sägen-Buch" und immer wieder Liebesgedichte. Mit dem "Tatort"-Drehbuchautor Felix Huby entwickelte Kahlau 1998 das Musical "30-60-90 Grad - durchgehend geöffnet", das erwartungsgemäß in einem Waschsalon spielt.

"Liebe ist von allen unseren Möglichkeiten die menschlichste", davon ist Heinz Kahlau grundlegend überzeugt. Im Vorspann zu seinem Band "Zweisam" von 1999 beschreibt er seinen dichterischen Impuls, der immer direkt dem Alltag entstammt: "Manchmal sehe ich junge Paare miteinander umgehn, und wenn ich merke, daß es um Liebe geht, weint etwas in mir, und ich mache mich davon. Aber froh macht es mich auch, nicht nur traurig, weil das so schön für mich ist. Von all dem handeln meine Gedichte über Zweisamkeit, die alten und die neuen. Mögen sie gelesen werden, wo man auf Liebe setzt, die uns gegen die Weltraumkälte hilft." Diesen Wunsch haben ungezählte Kahlau-Leser "ihrem" Dichter längst erfüllt. Was kann einem Autor zu seinem siebzigsten Geburtstag Schöneres widerfahren.

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