Kultur : Heiß, aber herzlich

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Stickige Hitze, der Geruch von getrocknetem Schweiß, Ventilatoren, die ihr Bestes tun und gegen die Hitze, die sich in dieser Nacht über Berlin gelegt hat doch nichts ausrichten können. Die Getränkekarten, die auf den Tischen im Chamäleon-Varieté in den Hackeschen Höfen, ausliegen, werden zu Fächern umfunktioniert, die Bestellung: Wasser! Wie passend zu Robert Woitas Inszenierung „In der Hitze der Nacht“, die am Mittwoch Premiere hatte. Die Hommage an Raymond Chandlers Philip-Marlow-Romane bestimmt den Single-Scout Philip Machnow zum Retter der Einsamen und Liebenden im nächtlichen Berlin. Im abgewetzten Ledermantel und braunem Hut sinniert Machnow (Woitas), Pfeife rauchend über schrullige Nachbarn, missglückte Reinkarnationen und rassige, aber Jetlag-geplagte allein stehende Damen. Musikalisch unterstützt von Sängerin Anna-Katarina Hollmérus und leisen jazzigen Klängen. Hart, verwegen, mit rauchiger Stimme versucht er unnahbar zu sein und ist es doch nicht. Machnow träumt: von der Liebe und der Stadt. Von der Liebe in einem roten Kleid, dem Sinnbild der Liebe, das die Akrobatin und Tänzerin Kaatie Akstinat feinfühlig zeichnet. Sie „tanzt“ in einem von der Decke des Bühnenraums herabhängenden Vertikaltuch, welches sie so geschickt um sich schlingt, dass es bald elegantes Abendkleid, bald Tuch oder nur Farbe ist. Körpergefühl und Ausdruck geben Akstinat eine Aura, die den Zuschauer umfängt, das Publikum mitnimmt auf die Reise in das Land der Träume. Diese Sinnlichkeit und besonders die Präsenz fehlen leider den meisten anderen Nummern. Weder konnte die als orientalische, heißblütige Single-Frau präsentierte Raksan mit der Bauchtanzeinlage überzeugen, noch waren die humoresken Einlagen des Machnow und auch des schrulligen Nachbarn Horst (Leon Düvel) wirklich amüsant. Die Persiflage auf Chandlers Philip Marlowe: Klamauk und leider alles andere als geglückt. Stephanie Nannen

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