Kultur : Heiße Bilder, scharfe Sauce

Beim Talent Campus diskutieren Nachwuchsfilmer ab heute über die Verbindungen von Essen und Kino

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Diese Frau muss ein Star sein, das verrät schon ihr Lächeln. Und natürlich die Menschentraube um sie herum. Nur: In welchem Film hat sie noch gleich mitgespielt? Oder ist das diese eine Regisseurin, über die gerade alle sprechen? Nein, mit dem Filmgeschäft hat Alice Waters nichts zu tun. Die 61-Jährige ist Köchin. Und zwar eine weltbekannte: Ihr Bio-Restaurant „Chez Panisse“ in der Nähe von San Francisco ist seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für Fast-Food-Hasser, Fernsehkoch Jamie Oliver nennt sie „mein großes Idol“.

Weil Waters „nicht nur an die Macht des Kochens, sondern auch an die Macht des Films“ glaubt, ist Waters beim heute beginnenden „Berlinale Talent Campus“ genau richtig. Da läuft dieses Jahr nämlich die Programmreihe „Films on Hunger, Food and Taste“. Mehr als 500 junge Filmemacher aus 101 Ländern diskutieren vor Publikum mit Prominenten wie Alice Waters über Essen und Film. Und warum beides so gut zusammenpasst. Da sind zunächst einmal die Filmszenen, in denen Nahrung eine wichtige Rolle spielt: Wie sich John Travolta in Pulp Fiction aufregt, weil der amerikanische „Viertelpfünder“-Burger in Europa als „Royal mit Käse“ verkauft wird. Und wie der Mafioso in „Godfellas“ mit seiner Rasierklinge Knoblauch schneidet. Für letztere Szene ist Michael Ballhaus mitverantwortlich, er war bei „Godfellas“ Kameramann. Und nimmt am kommenden Montag an einer Podiumsdiskussion teil. Thema: „Gegenwart und Zukunft der kulinarischen Welten“. Starköchin Alice Waters spricht am morgigen Sonntag über das „Verhältnis von Mainstream und unabhängigen Produktionen sowohl im Film als auch bei Nahrungsmitteln“.

Das klingt akademisch, und so soll es auch sein. Filme und Nahrungsmittel haben bemerkenswerte Gemeinsamkeiten, sagt Talent-Campus-Manager Thomas Struck. Zum Beispiel ist der Herstellungsprozess ähnlich: Für beides braucht man Zutaten – hier Gemüse, Fleisch, Gewürze, da ein Drehbuch, Darsteller, Kameras – und bei beidem kommt es auf die richtige Mischung an.

Die Nachwuchsfilmer des „Talent Campus“ sollen übrigens nicht nur reden, sondern auch ihre Werke zeigen: Unter 32 Kurzfilmen zu den Themen Essen oder Hunger wird der beste gesucht. Welcher das ist, lässt sich natürlich nicht klären. Denn wie ein Mahl kommen auch Filme höchst unterschiedlich bei den Konsumenten an: „Den einen schmeckt es, den anderen nicht.“sle

Mehr zum Thema im Internet unter www.berlinale-talentcampus.de

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