Kultur : Heiße Blicke, enge Hosen

Frank Noack

sucht den ultimativen Silvesterfilm Es gibt Weihnachtsfilme, Filme zum Osterfest, für den Sommer – aber zu Silvester? Dieses Ereignis ist offenbar nicht bedeutungsvoll genug, um die Stimmung eines Films zu prägen. Kann man dennoch etwas empfehlen, was zu Silvester passt? Vielleicht exotische Filme, denn etwas Exotisches hat Silvester zweifellos. Ausgerechnet Pier Paolo Pasolini, Asket und Marxist, hat ein Jahr vor seinem Tod den farbenfrohen Episodenfilm Erotische Geschichten aus 1001 Nacht (1974) fertig gestellt, den dritten Teil seiner „Trilogie des Lebens“. Die Geschichte eines Liebespaars, das erst nach langem Suchen wieder zueinander findet, hat Pasolini von anderen Geschichten unterbrechen lassen. Über einige schlechte Spezialeffekte wurde damals hergezogen, heute tragen sie zum Charme des Films bei. (Heute, Filmkunsthaus Babylon)

Als Exot wurde auch Rudolph Valentino wahrgenommen. Für das Stierkämpferdrama Blood and Sand (1922) schlüpfte er in hautenge Torerohosen, was ihm die Verachtung der Männer und die Zuneigung der Frauen einbrachte. Da die Filmpublizistik damals fest in Männerhand war, überwog Jahrzehnte lang der Spott. Heute fallen die Urteile über den ersten internationalen Latin Lover wohlwollender aus. Der 1926 verstorbene Valentino hat die Zeit gut überstanden. Auch wenn seine leidenschaftlichen Blicke manchmal etwas übertrieben erscheinen – der Mann hat wenigstens etwas riskiert. (Sonnabend im Arsenal)

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