Kultur : Heiße Eisen nach dem Kaltstart Das Zeughauskino macht einen Neuanfang

Stefan Jacobs

Eineinhalb Jahre nach der Wiedereröffnung soll der Laden laufen, sagt Programmchef Rainer Rother über sein Zeughauskino. Dann rechnet er kurz nach und fügt hinzu: „Ja, ein knappes Jahr davon ist praktisch um.“ Ein knappes Jahr, in dem das Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum (DHM) vor allem dank Praktikanten und Hilfskräften funktionierte. Es gab jemanden, der das Programm zusammenstellte und jemanden, der zur richtigen Zeit den Projektor anschaltete. Das war gerade genug für ein normales Kino, aber zu wenig für eine eigene Abteilung des vom Bund finanzierten DHM, die das Zeughauskino ja ist.

An diesem Montag nun hat Rother die Kaltstartphase für beendet erklärt und eine neue Profilierung angekündigt, die am Donnerstag beginnen soll: „Spaß beiseite“ heißt die Filmreihe, die sich vor allem der deutschen Filmkomödie in den Jahren vor und kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten widmet und mit Reinhold Schünzels „Viktor und Viktoria“ von 1933 eröffnet wird. Bis Ende Dezember werden Raritäten aus deutschen und ausländischen Archiven gezeigt, die sonst niemand so schnell dort herausgeholt hätte. Im Mittelpunkt sollen die Arbeiten jüdischer Komiker stehen, die schon in der Kaiserzeit gefragt waren und ab 1933 in der Versenkung verschwanden. Zum Programm gehören nach bewährter Tradition auch mehrere Stummfilme – sie werden live mit Musik untermalt, in einer Ecke vor der Leinwand steht ein Flügel.

Vor allem technisch hat das Kino von der fünfjährigen Renovierung profitiert: Stummfilme lassen sich dank variabel einstellbarer Bildfrequenz in der richtigen Geschwindigkeit abspielen, und im Kabuff des Vorführers stehen neben dem klassischen Projektor auch feinste Tontechnik, Beamer und DVD-Player. Damit ist technisch alles möglich und genießen lässt es sich auch, weil die Sitzreihen jetzt nach hinten ansteigen und mehr Beinfreiheit als früher gewähren. Als Kino fungiert das Zeughaus aber auch künftig nur donnerstags bis sonntags – an den anderen Tagen dient der Saal als Konferenzraum oder steht leer.

Nach der vorweihnachtlichen Vergangenheitsbewältigung gibt es im Januar Aktuelles aus Korea und zur Berlinale im Februar eine Stanley-Kubrick-Retrospektive. Das genaue Programm steht noch nicht fest, aber es soll die Leute scharenweise locken. Und wenn die Praktikanten mit dem Programmheft schnell genug sind, werden die Kubrick-Fans gleich auf den Leni-Riefenstahl-Schwerpunkt im März aufmerksam werden. „Es ist an der Zeit, sich mit Leni Riefenstahl zu beschäftigen“, sagt Rother. Nachdem uns der Führer selbst längst hinreichend vertraut ist, können wir uns also seiner Lieblingsregisseurin widmen und sehen, was sie geleistet und beeinflusst hat und wovon sie beeinflusst wurde.

www.dhm.de/kino

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben