Kultur : Heiße Tage, heiße Spiele in Kroatien

„Pipermint“, ein unheimliches Filmdebüt

Christina Tilmann

Sie hat ein rundes Kindergesicht und das Haar meist in Zöpfen geflochten. Dazu blitzende Mausaugen und einen schmollenden Mund. Luisa-Soi Kaiser ist Zoe, die Bandenchefin. Sie lädt sich Bruder Theo (sehr ernst: Marek Harloff) ins Auto und den kleinen Artur (David Zohlen) dazu, und auf geht’s nach Kroatien, in eine verwunschene Villa am Meer. Einige heiße Sommertage, eine Sommerliebe, ein schuldig-unschuldiges, inzestuöses Spiel von Vater-Mutter-Kind inszenieren die Geschwister da, bauen sich ihre Höhle unter Decken – und irgendwann taucht noch Meret Becker auf, als Deutsch radebrechende Kroatin, der Theo verfällt, und der französische Schauspieler Sami Frey spielt einen verschrobenen Schriftsteller und Katzenfreund namens Mendel, nicht unempfänglich gegenüber Zoes Reizen.

Die Berliner dffb-Absolventin Nicole-Nadine Deppé hat für ihren ersten abendfüllenden Spielfilm „Pipermint – das Leben möglicherweise“ eine bunte Truppe zusammengesammelt und erzählt von einer gefährlich geschlossenen Welt zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Manches allerdings bleibt unklar: Warum muss Zoes Mutter (Myriam Müller) in Berlin französisch sprechen? Und warum sinniert Mendel, der die Tage mit einem Geschirrtuch über dem Kopf im Zimmer verbringt, ebenfalls auf Französisch aus dem Off – und warum wird das Ganze dann, mal mit Voice-Over, gesprochen von Otto Sander, mal mit Untertiteln, zurückübersetzt? Kleine Drehbuchschwächen, und insgesamt etwas viel gewollt. Aber der heiße Sommerton, den „Pipermint“ entwirft, die fragile Geschwisterbeziehung, die glüht noch lange nach (In Berlin in den Kinos Moviemento, Toni und Tonino).

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